Sc bern: umbruch in bern – was steckt wirklich dahinter?
Bern – Der SC Bern steht vor einem gewaltigen Umbruch. Die Namen Ramon Untersander, Joel Vermin und Hardy Häman Aktell fallen, und die Frage, die sich jeder Fan stellt: Ist das der richtige Weg? Wir haben NHL-Scout Thomas Roost nach seiner Einschätzung gefragt.
Die leistungen der abgangskandidaten: eine kritische bewertung?
Die Meldung der NZZ schockierte die Eishockey-Szene: Untersander, Vermin und Häman Aktell sollen die Mutzen verlassen. Mike Wiss von freshfocus wollte Klarheit. Roost zeigt sich jedoch zurückhaltend: „Um die Frage, ob diese Entscheidung sportlich sinnvoll ist, fundiert zu beantworten, bräuchte ich Einblicke in die Gehaltsstrukturen und die möglichen Alternativen.“ Dennoch gibt er sich vorsichtig zu Protokoll: „Einen Importspieler zu ersetzen ist grundsätzlich kein Problem, da der Markt gross ist. Häman Aktell gehörte sicherlich nicht zu den Top-Imports der National League.“
Doch bei Vermin und insbesondere Untersander sieht Roost die Dinge differenzierter. Er vermutet, dass der neue Cheftrainer bereits feststeht und ein gewisses Mitspracherecht bei der Kaderplanung hat. „Wenn der neue Coach nicht auf Spielertypen wie Untersander und Vermin setzt, ist die Suche nach Alternativen nachvollziehbar.“ Das Problem bei Trainerwechseln ist bekannt: Neue Trainer fordern oft eine Anpassung des Kaders an ihre Spielphilosophie.
Roost plädiert für eine klare Trennung der Rollen: „Der Manager managt, der Coach coacht und die Spieler spielen – so sähe ein optimales System aus. Nur so entsteht eine langfristige DNA für die Mannschaft und man vermeidet diese oft abrupten Kehrtwendungen.“
Auf Nachfrage erklärt Roost, dass der Name des neuen Cheftrainers noch unter Verschluss gehalten wird, da dieser sich aktuell noch in den Playoffs befindet. Andrighetto hatte bereits unter Fischer 1 eine positive Entwicklung gezeigt – ein Zeichen für die Zukunft?

Wer ersetzt die abgänge? und wie sieht ein erfolgreicher umbruch aus?
Die Frage, ob es auf dem Transfermarkt adäquate Ersatzkräfte gibt, lässt sich derzeit noch nicht beantworten. Roost räumt ein, dass er die Interna nicht kennt, betont aber, dass ein Umbruch immer sorgfältig geplant werden muss. Ein radikaler „Rebuild“ könnte von den Zuschauern negativ aufgenommen werden. Die Importregelung in der Schweiz bietet hierbei eine gewisse Flexibilität. „Wenn auf dem Schweizer Markt keine valable Alternativen verfügbar sind, sollte der SC Bern alle Kräfte und einen Grossteil des Budgets in die bestmögliche Importbesetzung investieren.“
Ergänzend empfiehlt Roost, den Kader mit hoffnungsvollen, jungen Schweizer Spielern zu runden, um sowohl sportlich erfolgreich zu sein als auch die Fans zu begeistern. Der SC Bern hat bereits einige vielversprechende Nachwuchsspieler unter Vertrag, die in der kommenden Saison mehr Verantwortung übernehmen könnten. Hier gilt es, den eingeschlagenen Weg nicht zu verlassen, auch wenn diese Spieler aktuell noch nicht zum absoluten Crème de la Crème der Schweizer Talente zählen.
Ein weiteres Thema: Fehlt dem SC Bern die Loyalität gegenüber langjährigen Leistungsträgern? Oftmals wird zu lange an vermeintlichen Leistungsträgern festgehalten, die für ihre Verdienste in der Vergangenheit bezahlt werden, anstatt für ihre zukünftigen Leistungen. Der Mut zu unpopulären Entscheidungen fehlt oftmals. Roost betont, dass Spitzensport kein Ponyhof ist und professionelles Verhalten von den Verantwortlichen erwartet wird. Auch wenn die Entscheidungen um Untersander und Vermin auf emotionale Bedenken stossen, sollten sie rational und professionell getroffen werden.
Sollte der Abschied feststehen, verdient es die Spieler, einen würdevollen und emotionalen Abschied zu erleben – ein Abschiedsspiel, eine Zeremonie mit viel Pathos, vielleicht eine besondere Ehrung unter dem Dach. Hier könnte die Schweiz von den nordamerikanischen Vorbildern noch viel lernen. Und schliesslich: Öffnet sich damit die Tür für junge Spieler wie Alain Graf, um mehr Verantwortung zu übernehmen?
Definitiv ja! Dies ist eine Chance für die jungen Wilden, mehr Eiszeit zu sammeln und das Publikum für sich zu gewinnen. Dennoch muss der SC Bern im Bereich des Eishockey-Nachwuchses zulegen, um langfristig mit den Top-Clubs mithalten zu können und eigene Spieler zu entwickeln, die mindestens als Ergänzungsspieler im Profibereich bestehen können.
Der SC Bern steht vor einer spannenden Zukunft – eine Zukunft, die von Mut, Weitsicht und der Förderung junger Talente geprägt sein muss.