Saufen statt skifahren: gabriel gledhill liefert sich auf 50 km betrunken ein

Der Holmenkollen ist ein Kessel, der jedes Jahr kocht. Doch diesmal war kein Norweger der Held, sondern ein Brite, der sich auf 50 Kilometern lieber mit Bier und Schnaps betrieb als mit Wachs und Stöcken. Gabriel Gledhill schleppte sich als Drittletzter ins Ziel – und war dabei so blau wie der Fjord.

Gledhill trank zwölf bier, fünf schnäpse – und kotzte neben der loipe

Die Zuschauer feuerten Hedegart an, der Norweger fuhr in 2:01:48 Stunden zum Sieg. Dahinter, 22 Minuten später, schob sich ein rotköpfiger Gastarbeiter der Lust. „In Runde drei habe ich angefangen“, sagte Gledhill den Kollegen von NRK, „danach wurde es schnell ungemütlich auf den Beinen.“ Zwölf Dosen Bier, fünf Schnaps, ein paar freundlich überreichte Becher – und plötzlich drehte sich die Loipe mit. „Ich hab mich sogar übergeben, aber die Publikumslawine schiebt dich weiter, da kannst du gar nicht raus.“

Die Zeitmessung spuckte 2:23:55 Stunden aus. Rang 67 von 69. Die FIS-Offiziellen schüttelten nur den Kopf, eine Dopingkontroll-Entscheidung liegt noch nicht vor. Gledhill selbst tippt seinen Promillewert „irgendwo bei zehn oder elf“, bevor er lachend zur Weißwurst-Meile vor dem Stadion stolpert.

Der mythos holmenkollen frisst seine kinder – und manche machen freiwillig mit

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Was wie ein Einzelfall klingt, ist Teil einer Tradition, die das skandinavische Skifest seit Jahrzehnten umtreibt: Fans in Fjord-Wiking-Kostümen, Musik bis in die Nacht, Bierströme, die sich durch Schneematsch winden. Die Athleten halten sich sonst strikt fern – Sponsorenverträge, Leistungsdiäten, Image. Gledhill riss die Kordel.

Sein Verband reagiert mit schweigender Verlegenheit. Chefcoach Thomas Böckermann ließ nur durchblicken, man werde „interne Konsequenzen“ prüfen. Der 23-Jährige selbst sieht das locker: „Jeder rennt hier für seine Statistik. Ich wollte mal für die Story.“

Die Story liefert sich fast 25 Minuten Rückstand und ein Foto, das ihn mit zuckenden Augen und schiefem Grinsen über die rote Matte schicken wird. Ein Sponsor steigt aus, ein anderer meldet sich schon: eine britische Craft-Bier-Brauer sucht Testimonial für ihre neue „Nordic Pale Ale“.

Alkohol und leistung – ein experiment, das keiner nachmachen sollte

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Sportwissenschaftler dürften bei der Lektüre kalte Schweißperlen bekommen. Dehydratation, Koordinationsverlust, erhöhte Verletzungsgefahr – die Liste liest sich wie eine Absage an jede Trainingsphilosophie. Dennoch zieht Gledhill sein Fazit knallhart: „Ich bin angekommen, habe gefeiert und kann immer noch laufen – wenn auch schräg.“

Für die Weltcup-Wertung bringt das 67. Platz Null Punkte, aber rund 3.000 Follower mehr auf Instagram. Die Kommentare schwanken zwischen Hohn und Bewunderung. Seine nächste Startchance: der 15-Kilometer-Sprint in Lahti. Ob er dort wieder den Rucksack voller Dosen mitnimmt? „Kommt drauf an, wie kalt der Finnlandia-Trunk ist“, lacht er und hängt sich den Zielschal um, der nach Bier riecht.

Die Loipe mag Zahlen lieben, das Publikum liebt Geschichten. Gabriel Gledhill lieferte beides – und bewies, dass der Holmenkollen manchmal härter ist als jede Medaillenentscheidung. Am Ende zählt nur, wer die rote Matte noch erkennt.