Sané-debatte: nagelsmann stellt sich quer – reicht das?

Toronto – Julian Nagelsmann hält am Leroy Sané fest. Auch gegen die Elfenbeinküste soll der Angreifer von Beginn an spielen, obwohl er in Teilen der Öffentlichkeit bereits an Kredit verloren hat. Ein Schachzug, der für Aufsehen sorgt und die Frage aufwirft, ob der Bundestrainer mit seiner Entscheidung richtig liegt – oder ob er sich gegen den Trend verspielt.

Klopps ratschlag: leweling als kimmich-unterstützung

Klopps ratschlag: leweling als kimmich-unterstützung

Die Vorbereitung in Toronto ließ kaum Zweifel aufkommen: Nagelsmann wird sich an die Startaufstellung halten, die bereits im Duell gegen Curacao erfolgreich war. Das bedeutet, auch Leroy Sané steht in der Anfangself. „Gut hat er trainiert. Ich wüsste jetzt nicht, warum ich ihn nicht spielen lassen soll“, erklärte Nagelsmann am Freitag. Ein klares Bekenntnis, das jedoch von Jürgen Klopp gedämpft wurde. Der ehemalige BVB-Trainer schlug bei Magenta TV vor, Leweling auf der Seite einzusetzen, um Josh Kimmich zu unterstützen. Ein Ratschlag, der Nagelsmann vermutlich wenig Freude bereitet.

Die Kritik an Sané ist nicht neu. Lange wurde ihm mangelnde Laufbereitschaft und fehlendes Engagement im Defensivbereich vorgeworfen. Nagelsmann konterte: „Man hat ihm lange Zeit immer angekreidet, dass er vielleicht nicht den Fleiß hat und sich nicht viel bewegt. Aber das hat er absolut gemacht in dem Spiel [gegen Curacao].“ Er führte das Verhalten des 30-Jährigen auf ein psychologisches Phänomen zurück, bei dem frühere Zuschreibungen überbewertet werden.

Doch reicht das, um die öffentliche Meinung zu wenden? Gerade gegen die körperlich starke Elfenbeinküste könnten Defensivqualitäten gefragt sein. Leweling überzeugte in der Vergangenheit immer wieder durch seine intensive Zweikampfführung und seine Bereitschaft, Defensivaufgaben zu übernehmen. Sané hat diese Fähigkeiten zwar ebenfalls, doch die Wahrnehmung im Kopf der Fans ist hartnäckig.

Die WM ist eine Bühne, auf der jeder Spieler unter Beobachtung steht. Jeder Fehlpass wird zum Beweis für die vermeintlichen Schwächen, jeder erfolgreiche Einsatz übersehen. Nagelsmann betonte, dass Sané sich nicht darüber ärgere, sondern er selbst die negative Berichterstattung als störend empfinde. „Es liegt an ihm, dass ihr besser über ihn schreibt“, forderte der Bundestrainer.

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Sané muss liefern, um die Zweifel der Öffentlichkeit zu zerstreuen. Ein solides Spiel gegen die Elfenbeinküste reicht nicht aus. Er benötigt einen Auftritt, der keine Fragen offen lässt – ein Auftritt, der zeigt, dass er zu diesem Team und zu diesem Turnier passt. Denn die WM ist kein Ort für psychologische Aufbauhilfe, sondern für Ergebnisse.