Sané und gündogan versinken im türkischen goldrausch
150 Millionen Euro verbrannt, zwei deutsche Weltmeister auf der Bank: Galatasaray schlägt Liverpool und demontiert dabei sein eigenes Prestige-Projekt.
Die milliarden-show, in der die stars erfrieren
Rams Park donnernte es wieder einmal, als hätte jemand den Bosporus umgeleitet. 1:0 gegen Liverpool, Champions-League-Achtelfinale, zwölf Jahre nach dem letzten Mal. Die Fans skandierten, die Flutlichter flackerten, und irgendwo zwischen Ersatzbank und Tribüne stand Leroy Sané, die Hände in den Taschen seiner Trainingsjacke, und fragte sich vermutlich, wofür er das alles überhaupt tut.
Die Antwort lautet: für einen Klub, der sich selbst zur Galionsfigur des europäischen Spitzenfußballs erklärt hat und dabei vergisst, dass man auch mit 150-Millionen-Euro-Einkaufstour noch für 90 Minuten elf Spieler auf den Rasen schicken muss, die sich gegenseitig verstehen. Victor Osimhen kostete 75 Millionen und trifft – klar, er ist ein Tier, 18 Tore, sieben Vorlagen. Aber Ilkay Gündogan, einer der besten Halbraum-Diktatoren der letzten Dekade, durfte in dieser Königsklassen-Saison ein einziges Mal über die volle Distanz laufen: beim 0:1 gegen Union Saint-Gilloise. Das war’s. Der Rest ist Statistik, Einwechslungen, Kurzeinsätze, Kommunikation über WhatsApp.
Und Sané? Der Außenbandriss im Februar war ärgerlich, aber nicht halb so brutal wie die Konkurrenz, die ihm der Verein auf dem silbernen Tablett serviert hat. Baris Alper Yilmaz, eigentlich Linksaußen, erzielt auf rechts zehn Tore und 14 Vorlagen – Zahlen, die Sanés Marktwert alt aussehen lassen. Dazu kommt noch Yáser Asprilla, 22, kolumbianischer Nationalspieler, geliehen von Girona, mit Kaufoption. Drei Rechtsaußen für eine Position, die in Okan Buruks 4-2-3-1 nur ein einziges Mal existiert. Wer hier nicht liefert, fliegt. Sané lieferte zuletzt eine Rote Karte im Derby und einen Platz auf der Bank gegen Liverpool. Das war der Dank.

Die türkische fata morgana
Die Heimspiele sind Galatasarays Dopingspritze: Juventus 5:2, Liverpool 1:0, alles im Rams Park, alles unglaublich laut. Doch sobald die Mannschaft das Land verlässt, zerplatzt die Seifenblase. 1:5 in Frankfurt, 0:3 in Turin nach 90 Minuten, erst in der Verlängerung retteten Osimhen und Yilmaz das Weiterkommen. Die Zahlen sind ein offener Brief an die Realität: Heimstärke 9 Punkte, Auswärts 2. Wer so spielt, kann sich nicht wundern, wenn am Ende nicht der Europapokal, sondern die Erkenntnis bleibt, dass Geld allein keine Taktik ersetzt.
Buruk betont nach jedem Spiel den Lerneffekt. Was er nicht sagt: Der Lerneffekt kostet 150 Millionen und zwei deutsche Karrieren. Sané ist 30, Gündogan 35 – wer jetzt nicht spielt, wird morgen nicht mehr gefragt. Und Galatasaray? Steht im Viertelfinale-Auslosungsfieber, träumt von PSG oder Chelsea, während zwei Weltmeister am Spielfeldrand stehen und sich fragen, wie aus dem Traum ein Albtraum wurde.
Am 18. März, 21 Uhr, Anfield Road. Dort wird sich zeigen, ob die teure Wundertüte auch auswärts aufgeht. Sollte Yilmaz wieder auf rechts starten, dürfte Sanés Uhr endgültig abgelaufen sein. Die Rechnung ist simpel: Wer 150 Millionen ausgibt, darf keine Zeit verschenken. Die Uhr tickt – und sie tickt lauter als die Galatasaray-Fans jemals singen könnten.
