Sané lächelt trotz pfiffen – nagelsmanns lob reicht trotz fehlstart

Leroy Sané verlässt das Mixed Zone-Mikrofon nach 47 Sekunden – und wirkt dabei so entspannt, als hätte er gerade nicht zwei Großchancen verballert. Der 30-Jährige hat beim 7:1 gegen Curaçao nicht den Fußball gespielt, den seine Statistik verspricht, aber er hat gelernt, dass Ergebnisse lauter reden als Fehlschüsse.

Nagelsmann verteidigt seinen glücksritter

Der Bundestrainer schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als ihn jemand fragt, ob Sané nun draußen bleibe. „Er hat das Spiel mitgedacht, war in den Umschaltmomenten konstant wach“, sagt Julian Nagelsmann und klingt dabei wie ein Lehrer, dem gerade ein Schüler eine verquirlte Mathe-Klausur abliefert hat – mit der Note 1 am Ende. Die Zahlen liegen auf dem Tisch: 13 Länderspiele ohne Tor, zwei Großchancen vergeben, einmal Pfosten, einmal knapp vorbei.

Dennoch: Ohne Sanés Laufwege wäre das 2:0 nicht gefallen, weil Curaçaos Abwehrlinie erst durch seinen Sprint ins Zentrum auseinanderbrach. Fußball-Analytics nennen das indirekte Torbeteiligung, der Rest nennt es Pech.

Die stimme aus der kabine: matthäus fordert konsequenz

Die stimme aus der kabine: matthäus fordert konsequenz

Lothar Matthäus hat den Gesprächsfetzen im TV-Studio sofort zerlegt: „Bei seiner Erfahrung muss er eiskalt bleiben.“ Der Rekordnationalspieler ballt die Faust, als er die Szene aus der 63. Minute beschreibt. Sané nimmt eine Flanke perfekt mit der Hacke mit, schiebt dann aber aus sieben Metern am langen Eck vorbei. Matthäus rollt mit den Augen: „Das hätte ich mit 50 noch reingemacht.“

Ironie der Geschichte: Sané bekam den Startplatz nur, weil Lennart Karl sich beim Aufwärmen den Sprunggedreht hatte. Der Bayern-München-Flügel hätte sonst auf der Bank gewartet. Jetzt steht er in der nächsten Partie gegen die Elfenbeinküste wieder in der Formation – aus Mangel an Alternativen oder aus taktischem Kalkül, das verrät nur Nagelsmanns Blick.

Sané selbst: „kein torstress, nur spielglück“

Sané selbst: „kein torstress, nur spielglück“

„Ich habe heute zwei Mal das Aluminium geküsst, das reicht mir nicht“, sagt Sané, als er an der Wand der Mixed Zone steht. Die Frage nach seinem Selbstvertrauen wischt er mit einer Handbewegung beiseite: „Wir haben sieben Tore gemacht, und keines davon war Zufall. Meins kommt, vielleicht schon am Freitag.“

Zurück bleibt die Erkenntnis: In einer Mannschaft, die Musiala, Wirtz und Havertz gleichzeitig laufen lässt, darf auch ein Sané mal stolpern. Die Tabelle sagt: Gruppensieg. Sané sagt: „Ich habe noch nicht mein letztes Wort gesprochen.“ Die WM hat gerade erst begonnen – und der Flügelspieler hat noch drei Gruppenspiele Zeit, die Statistik zu korrigieren.