Safe-sport-zentrum: ein hoffnungsschimmer für den deutschen sport?

Fast sechs Jahre nach den erschütternden Berichten über sexuellen Missbrauch im Sport wird am Donnerstag im Bundeskanzleramt ein neues Zentrum für Safe Sport eröffnet. Ein längst überfälliger Schritt, um Betroffenen endlich Gehör zu verschaffen und Strukturen zu verändern, die solch gravierende Verfehlungen ermöglicht haben. Doch reicht dieses Zentrum aus, um das Vertrauen in den organisierten Sport wiederherzustellen?

Die geschichte von nadine und der ruf nach veränderung

Der 13. Oktober 2020 ist ein Datum, das viele im deutschen Sport nicht vergessen werden. Die Aufarbeitungskommission der Bundesregierung hörte Zeugenaussagen von Opfern sexuellen Missbrauchs. Nadine, eine ehemalige Fußballerin, wagte den Schritt, ihre Geschichte öffentlich zu machen. Ihre Worte, gesprochen von einer Schauspielerin, hallten durch den Saal und machten deutlich, welches Ausmaß die Missstände erreicht haben. Sie forderte: „Ich stelle diese Geschichte zur Verfügung und sag', macht was damit.“ Dieser Appell leitete eine Entwicklung ein, die nun mit der Gründung des Zentrums ihren vorläufigen Höhepunkt findet.

Ein zentrum für prävention, intervention und aufarbeitung

Ein zentrum für prävention, intervention und aufarbeitung

Das „Zentrum für Safe Sport“ soll eine unabhängige Anlaufstelle für Betroffene von Gewalt im Sport sein – egal ob im Leistungs- oder Breitensport. Es soll nicht nur Fälle untersuchen und sanktionieren, sondern auch präventive Maßnahmen entwickeln und die Aufarbeitung von vergangenen Vorfällen unterstützen. Eine Aufgabe von gewaltiger Tragweite, die von vielen mit Hoffnung, aber auch mit Skepsis betrachtet wird.

Der organisierte sport zwischen unterstützung und widerstand

Der organisierte sport zwischen unterstützung und widerstand

Während Betroffenenverbände und Athleten Deutschland die Gründung des Zentrums begrüßen, gibt es im organisierten Sport unterschiedliche Reaktionen. Christina Gassner, ehemalige Geschäftsführerin der Deutschen Sportjugend, betonte zwar die Notwendigkeit, Lücken im Schutz vor Gewalt zu schließen, mahnte aber auch, dass der Sport die Verantwortung nicht abgeben dürfe. Der Safe-Sport-Code, der bis 2028 umgesetzt werden soll, soll hier Klarheit schaffen, indem er verbindliche Regeln für den Umgang mit Gewaltvorwürfen festlegt.

Ein schwieriger weg – die politik setzt auf freiwilligkeit

Ein schwieriger weg – die politik setzt auf freiwilligkeit

Ein Kritikpunkt bleibt jedoch: Die Politik setzt auf Freiwilligkeit. Die Sportorganisationen können selbst entscheiden, ob sie ihre Fallbearbeitung an das Zentrum abgeben oder interne Strukturen nutzen. Dies wird von Betroffenen als unzureichend kritisiert, da sie dadurch von der Entscheidung ihrer Sportorganisation abhängig sind. Auch die Finanzierung, die zunächst nur für den Leistungssport vorgesehen ist, wird als zu eng gefasst empfunden.

Die Gründung des Zentrums ist ein wichtiger Schritt, aber kein Patentrezept. Es bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich dazu in der Lage ist, das Vertrauen in den deutschen Sport wiederherzustellen und eine Kultur des Respekts und der Sicherheit zu fördern. Denn wie Angela Marquardt, Mitglied im Betroffenenrat der Missbrauchsbeauftragten, betont: „Es darf nicht scheitern.“