Saelemaekers bricht fünf jahre schweigen – seine worte über calhanoglu schlagen vor dem derby ein
Fünf Jahre hat er geschwiegen, jetzt redet Alexis Saelemaekers – und seine Sätze fallen mitten in die größte Eiseskälte der Serie A. Der Belgier lobt ausgerechnet Hakan Calhanoglu, den Mann, den kein Rossonero je verzieh.
Der transfer, der mailand spaltet
2021 wechselte Calhanoglu ablösefrei vom AC Milan zur Inter – ein Verrat in Rot-Schwarz, der bis heute nachhallt. Zlatan Ibrahimovic spuckte bei der Meisterfeier 2022 das berüchtigte „Sendet Hakan eine Botschaft“ in die Kameras, die Kurve verbrannte Trikots, und die Polizei rüstete extra Derby-Kräfte auf. Die Wunde blieb offen.
Saelemaekers, seit 2020 an der Via Aldo Rossi, war damals Frischling, 20 Jahre alt, ohne Familie in der Stadt. „Er war einer der ersten, der mich aufnahm, seine Eltern vorgestellt, mir Tips gegeben hat, wo man in Mailand gut isst“, sagt er im Interview mit DAZN – und fügt hastig hinzu: „Wir verloren sich nur, weil sich unsere Kalender unterscheiden, nicht aus Zorn.“

Ein händedruck vor 80 000 leuten
Am Sonntag stehen sie sich wieder gegenüber. San Siro, 21.45 Uhr, Tabelle offen, Meisterschaft drin. Calhanoglu ist Stammspieler bei Simone Inzaghi, Saelemaekers kam im Winter von Bologna zurück und will sich für die Champions-League-Startelf empfehren. Beide wissen: Jede Geste wird gedeutet, jede Berührung gefilmt.
Die Curva Sud plant bereits Transparente, die an Calhanoglus Abschieds-Emoji erinnern. Bei Inter kursieren Memes, die Saelemaekers als „Verräter-Freund“ brandmarken. Dazwischen ein Belgier, der einfach Fußball spielen will: „Ich schaue nicht mehr auf die Farbe, ich schaue auf den Menschen“, sagt er und lächelt verlegen.
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Calhanoglu erzielte in dieser Saison neun Tore, davon zwei direkt gegen Milan. Saelemaekers steht bei drei Assists, beide gegen Inter. Jeder Ballkontakt wird wie ein Referendum wirken.

Am ende zählt nur das resultat
Die Pressekonferenz endet, Saelemaekers verschwindet im Flur des Milanello. Ein Reporter ruft noch: „Wirst du dich mit ihm vor dem Anpfiff umarmen?“ Er dreht sich nicht um, antwortet aber laut genug: „Wenn wir gewinnen, umarme ich jeden – außer ihm.“
Der Derby-Countdown läuft. Und während sich die Städte in zwei Lager teilen, erinnert ein belgischer Flügelspieler daran, dass hinter jedem Hass-Fan einmal eine Freundschaft stand. In Mailand zählt nur ein Gesetz: Wer die Farbe wechselt, brennt. Saelemaekers hat seine Zündholzer bereits weggeworfen – Calhanoglu trägt sie als Streichhölzer in der Tasche. Punkt.
