Sabrina wittmann schreibt in ingolstadt geschichte – und verlängert einfach weiter
35 Jahre alt, dritte Liga, 17 Punkte Vorsprung auf den Strich: Sabrina Wittmann bremst nicht, sie verlängert. Der FC Ingolstadt zog die Kaufoption vorzeitig – erstmals in Deutschlands Profifußball übernimmt eine Frau unbefristet das Ruder eines Männerclubs.
Miro klose als türöffner, calabrien als initialzündung
Die Geschichte klingt wie ein Drehbuch, das kein Sender kaufen würde – zu unrealistisch. Doch sie ist wahr. Als Kind schaute Wittmann Klose bei der WM 2002 und lernte in einem Feriencamp in Süditalien, dass Taktik kein Geschlecht kennt. Der ehemalige Nationalstürmer wurde zu ihrem Mentoring-Partner, stellte Kontakte her und schärfte ihren Blick für Räume, nicht Rollenbilder.
Seit April 2024 sitzt sie auf der Bank der Schanzer, übernahm die Mannschaft als Tabellenletzter und schaffte den Klassenerhalt mit 43 Punkten. Diese Saison folgte Platz neun – und die bayerische Pokal-Halbfinaleinzahlung. Drei Talente, daronder der 19-jährige Stürmer Yannick Keitel, schafften den Sprung aus der U21 in den Profikader. Kein Zufall: Wittmann trainierte sie persönlich, verlangte Sprintwerte, die an die Bundesliga grenzen, und schickte sie mit individuellem Video-Feedback nach Hause.

»Ist doch egal, ob jemand high-heels oder stollen trägt«
Kapitän Marc Stenderka brach im混合区 die Debatte ab: »Wir wollenen eine Führungsperson, keine Quote. Sabrina liefert Zahlen, nicht Slogans.« Tatsächlich: Unter ihrer Anleitung stieg die Passquote um 6,8 Prozent, die Gegentore pro Spiel fielen von 1,6 auf 1,2. Die Zahlen stehen im Leistungsdatenportal, nicht im Gender-Report.
Die Vertragsverlängerung bis 2027 sichert dem Klub Planungssicherheit und der Trainerin ein Gehalt, das laut Insidern erstmals für eine Frau in Deutschlands unterste Profi-Spielklasse die Millionengrenze knackt. Sponsoren wie Audi und MediaMarkt buchen sich zusätzliche Präsenzblocks – sie wollen mit einem Projekt werben, das sich nicht nach dem nächsten Absturz richtet.
Und die Konkurrenz? Schaut, rechnet, schweigt. Denn der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt 14 Punkte, die Saison ist noch sechs Spieltage alt. Wenn Ingolstadt diese Woche in Dresden gewinnt, kann die Mannschaft vorzeitig die Klasse sichern – und Wittmann würde als erste Coach ihre zweite Rettung perfekt machen.
Sie selbst will von Historie nichts wissen. Nach dem Training steht sie im Regen, erklärt einem Zehnjährigen, wie man mit der Hacke steuert. »Wenn du morgen wieder kommst, zeig ich dir den Cruyff-Turn«, sagt sie. Das Kind lächeht, der Verein auch. Denn Sponsoren lieben Bilder, die keine Pressekonferenz brauchen.
Der Club plant bereits die Saison 2025/26: neue Kabinen, erweiterte Analytics, ein Frauen-Förderprogramm. Alles unter ihrer Federführung. Miro Klose wird weiterhin per Videocall analysieren, welche Räume seine Schützin nutzt. Und irgendwo in Calabrien sucht ein Mädchen nach dem nächsten Feriencamp – und findet vielleicht eine neue Heldin, die keine Abstriche macht.
35 Jahre, unbefristet, unbeirrt. Die dritte Liga ist erst der Anfang – und Sabrina Wittmann hat gerade erst aufgesteckt.
