Sabalenka: von 'hexe' zur wimbledon-hoffnung – ein emotionaler neustart

Aryna Sabalenka blickt nach Wimbledon. Nach einem schmerzhaften Aus in Roland Garros will die Nummer 1 der WTA ihre mentale Stärke beweisen und die Dominanz zurückerobern, die sie so lange ausgezeichnet hat. Doch der Weg dorthin führt über ein tiefes Eingeständnis und die Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Image.

Das image der 'hexe': vorurteile und erste begegnungen

Sabalenka hat in einem Interview mit The Guardian ein seltenes Maß an Offenheit gezeigt, als sie sprach über die Wahrnehmung, die viele Menschen von ihr haben. Ihr markantes Aussehen, ihre kraftvolle Statur, führten oft zu voreiligen Schlüssen. „Wenn man mich zum ersten Mal sieht, denkt man vielleicht, ich sei eine Hexe“, gestand sie. Ein ähnliches Missverständnis offenbarte sich auch bei ihrer ersten Begegnung mit Paula Badosa, ihrer heutigen besten Freundin im Tenniszirkus. Beide waren zunächst von dem Eindruck des anderen geprägt – bis sie merkten, dass die Fassade der Hexe nur eine Maske war. „Ich dachte, du wärst eine Hexe!“, soll Badosa gesagt haben, worauf Sabalenka antwortete: „Ich dachte das auch von dir!“

Doch es ist mehr als nur das Äußere, das Sabalenka zu einem schwierigen Charakter macht. Ihre Leidenschaft, ihre unbändige Energie auf dem Platz, werden oft als Aggression fehlinterpretiert. „Wenn ich mit diesem unbewegten Gesicht herumlaufe, kann ich sehr aggressiv wirken. Ich verstehe, warum manche Leute denken, ich sei eine schlechte Person“, so Sabalenka. Im Grunde jedoch ist sie, wie sie selbst zugibt, eine „sehr gute Schülerin“ und eine Person, die im Privaten Harmonie und Freude sucht.

Emotionen unter kontrolle: ein balanceakt

Emotionen unter kontrolle: ein balanceakt

Die Frustration, die sich auf dem Platz entlädt – das Werfen der Schläger, die lauten Ausrufe – sind für Sabalenka ein Ventil. „Es ist etwas, das ich brauche. Es ist etwas, worüber wir mit meinem Team gesprochen haben: Wenn ich merke, dass ich mich zu sehr zurückhalte, muss ich die Emotionen rauslassen.“ Sie arbeitet daran, ihre Impulse besser zu kontrollieren, gesteht aber ein: „Ich mache immer noch Dinge, auf die ich nicht stolz bin.“ Die Herausforderung liegt darin, die Aggressivität, die sie zum Erfolg antreibt, mit der Fähigkeit zu verbinden, im entscheidenden Moment die Nerven zu bewahren.

Sabalenka hat in Wimbledon in der Vergangenheit oft Federn lassen müssen. Dieses Jahr will sie zeigen, dass sie aus ihren Fehlern gelernt hat. Ihre Entschlossenheit, ihre Ehrlichkeit und ihre Bereitschaft, sich ihren Schwächen zu stellen, machen sie zu einer faszinierenden Persönlichkeit – und zu einer ernsthaften Kandidatin für den Titel in Wimbledon. Beobachter sind gespannt, ob sie es schafft, nicht nur die Gegner, sondern auch die Vorurteile zu besiegen.