Rydzek verhindert dreifach-triumph und entzaubert schwedens sensation

Ein einziger Skating-Zug in der Zielkurve reichte. Mit 0,07 Sekunden Vorsprung schiebt sich Coletta Rydzek an Johanna Hagström vorbei – und zerstört den Traum von Schwedens Frauen-Triple. Lahti bleibt ihr Revier, nur diesmal reicht's für Bronze statt Gold.

Der lucky-loser-zug, der alte rechnungen beglich

Im Halbfinale war sie Vierte, die Zeit musste retten – und tat sie. Die Disqualifikation der Norwegerin Mørk verhalf ihr zum Lucky-Loser-Ticket, doch das war nur halbe Wahrheit. Ihre 3:17,2 Minuten wären auch ohne fremde Hilfe gereicht. „Ich wusste, dass ich hinten raus noch mal drehen kann“, sagt sie, noch atmend wie nach einer Berg-Runde im Sauerland. Die Lunge brennt, die Beine zittern, das Lächeln sitzt trotzdem.

Die Schwedinnen hatten sich schon eingepegelt: Sundling, Svahn, Hagström – allesamt im Finale, allesamt auf Medaillenkurs. Doch Rydzek riss das Drehbuch entzwei. Sie löste sich aus dem Windschatten Svahns, schob sich in der letzten Rechtskurve nach außen und jagte mit 44,3 km/h über die Ziellinie. Die Uhr stoppte bei 3:15,88 Minuten – ihre schnellste Sprintzeit seit zwei Jahren.

Interne dsv-rechnung: gimmler zahlt den preis

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Die Medaille kostete Nerven – vor allem bei Laura Gimmler. Die gemeinsame Bronzegewinnerin von Mailand schaute als Vierte ihres Viertelfinales in die Röhre. Dasselbe Heat, dieselbe Geschwindigkeit, doch Rydzek hatte die bessere Linie. „Das ist unsere Sportart“, kommentiert Gimmler trocken. „Manchmal bist du drin, manchmal bist du draußen.“ Für sie heißt es nun: Auf die Staffel konzentrieren, den Frust in Schneepulver verwandeln.

Sofie Krehl rutschte ihr den Stock weg – ein Schicksal, das selbst Technik-Geeks nicht vorhersagen. Jan Stölben wiederum führte bis 20 Meter vor dem Ziel, dann fehlte einfach der Punch. 24 Jahre alt, 1,92 Meter groß, aber die Endbeschleunigung sitzt noch nicht. „Ich brauche ein paar Prozent mehr Saft im Tank“, sagt er. Die Rede ist von Kraft, nicht von Sprit.

Lahti-liebe mit mailand-impfstoff

Lahti-liebe mit mailand-impfstoff

Die Finnen nennen die Strecke „Pirunportti“ – Teufelspforte. 1,3 Kilometer, 42 Höhenmeter, Eis auf der Spur. Genau hier hatte Rydzek 2025 ihren ersten Weltcup-Sieg gefeiert. Die Erinnerung wirkt wie ein Booster. „Ich kenne jede Kurve, jeden Schneekristall“, sagt sie. Die Leistungsdiagnostik des DSV zeigt: Ihre VO2-max ist seit Mailand um 2,1 % gestiegen. Kleinere Zahl, große Wirkung.

Nächster Stopp: Drammen, Norwegen. Dort ist der Sprint flacher, schneller – und die Schwedinnen warten auf Revanche. Rydzek packt ihre Bronze in ein Handtuch, wirft sie in den Koffer. „Medaillen sind schwer“, sagt sie. „Aber sie drückt mich nach vorn.“ Keine Rhetorik, nur Tatsache. Die Saison ist noch lang, und Lahti war erst der zweite Podest-Streich im vierten Rennen. Wer jetzt aufhört zu rechnen, verpasst die Pointe: Deutschland besitzt eine Läuferin, die Schwedens Dominanz in Stücke sprintet – und dabei selbst noch Luft nach oben hat.