Rydzek jagt sich in den ruhestand: oslo-finale mit gänsehaut-flashbacks

Johannes Rydzek spurtete die letzten 200 Meter wie ein Blitz, als ginge es um Gold – stattdessen holte er Platz acht. Und das reichte. Im Ziel brach alles zusammen: seine Schwester Coletta, die Langlauf-Kolleginnen, seine Rivalen. 301 Weltcup-Einsätze, 18 Siege, sieben WM-Titel, zwei Olympia-Triumphe – und ein Abschied, der sich anfühlte wie ein erster Platz.

Coletta winkt, rydzek grinst, holmenkollen tobt

Die Szene auf der Schanze war fast schon kitschig, aber echt. Coletta Richter-Rydzek, Olympia-Dritte im Teamsprint, stand an der Absprungkante und winkte ihrem großen Bruder zu. Rydzek flog 122 Meter weit, landete auf Rang 14, und wusste: Jetzt muss die Loipe her. 15 Kilometer später war er von 3:12 Minuten Rückstand auf 45 Sekunden herangekommen. Achter Platz – und die perfekte Bühne für die letzte Show.

„Ich hatte Flashbacks wie in einem Film“, sagte er im ARD-Mikrofon, das Zittern in der Stimme kaum zu überhören. „Plötzlich war ich wieder 17, WM-Debüt in Oslo 2011, dann Lahti 2017, vier Goldmedaillen in vier Tagen.“ Die Atmosphäre habe ihn getragen, die norwegischen Fans skandierten seinen Namen, als wäre er einer der ihren. „Ich bin sicher, dass ich jetzt aufhöre und trotzdem für immer positiv erinnert werde.“

Lamparter feiert, watabe tritt ab, geiger bricht ab

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Den Tag gewann Johannes Lamparter – schon vor dem Finale Gesamtweltcup-Sieger. Fünfter Saisonerfolg, 23 Jahre alt, die neue Generation. Dahinter Jens Luraas Oftebro vor seinem Bruder Einar, Norwegen dominiert das Podest. Für Vinzenz Geiger war Oslo ein Abbruch nach dem Sprung: Platz 24, keine Lust auf weitere Meter. Die Saison war für ihn ein Achterbahnfahrplan: verletzt gestartet, zwei Siege eingefahren, Olympia-Flop, Saison-Aus.

Und dann diese Bilder: Rydzek lacht mit Akito Watabe, der wie er nach 303 Einzelstarts aufhört. Espen Andersen und Alessandro Pittin stehen daneben, alle vier haben einst gegeneinander um Gold gekämpft, jetzt trinken sie gemeinsam Wasser aus der Flasche und tauschen private Handynummern. „Wir sind keine Gegner mehr, wir sind Zeitzeugen“, sagt Rydzek. Die Karriere endet nicht mit einem Pokal, sondern mit einer Gruppenumarmung.