Ryan fosso springt ab: schweizer u21-star wählt kamerun – sturm graz drückt die daumen
Ryan Fosso hat sich für ein neues Trikot entschieden. Das mit dem grün-roten Adler auf gelbem Grund. Der 23-jährige Sechser, bislang Fixpunkt in der Schweizer U21, wird künftig für Kamerun auflaufen – und beendet damit jede Diskussion über einen möglichen EM-Einsatz für die Nati. Die Meldung kommt knapp vier Monate nach seinem Wechsel zu Sturm Graz, wo Fosso sofort zum Stammspieler avancierte.
Warum der wechsel jetzt sinn macht
Die Zahlen sind gnadenlos. In der Schweizer A-Nationalmannschaft buhlen Granit Xhaka, Remo Freuler, Denis Zakaria und Michel Aebischer um zwei Plätze im defensiven Mittelfeld. Fosso hätte warten müssen, vielleicht Jahre. Bei den „Unstoppten Löwen“ hingegen ist sofort ein Koffer voller Minuten garantiert – und die Chance, beim Afrika-Cup 2025 aufzulaufen. „Ich will Endrunden spielen, nicht Tribünen fotografieren“, zitiert ihn ein Berater. Die Entscheidung fiel demnach bereits während der Africa-Cup-Quali im März, als Fosso erstmals mit Kameruns Teamchef Rigobert Song telefonierte.
Der formale Akt war schnell erledigt: Die FIFA erhielt die Einbürgerungsunterlagen, das Schweizer Bürgerrecht durch die Mutter ist kein Hindernis. Für den SFV bedeutet das den dritten Abgang innerhalb von zwölf Monaten – nach Albian Hajdari (Hoffenheim → Albanien) und Leon Avdullahu (Hoffenheim → Kosovo). Das Trio teilt sich ein Schicksal: zu viel Konkurrenz in der Heimat, zu viel Versprechen anderswo.

Sturm graz profitiert vom afrika-boom
Für die Grazer ist der Coup ein PR-Gewinn. Mit Fosso haben sie nicht nur einen balleroberten Sechser, sondern ab sofort auch ein Aushängeschild auf einem Kontinent, dem der Klub seit Christian Ilzer verstärkt den Blick zuwendet. Scout Andreas Schiener war bereits im April in Douala, um weitere Talente zu kartieren. „Ryan öffnet Türen“, sagt Sport-Geschäftsführer Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker, „plötzlich schreiben kamerunische Agenten bei WhatsApp.“
Fosso selbst will sich jetzt auf die Meisterschaft konzentrieren. Sturm führt die Bundesliga an, das Double ist drin. Wenn er im Mai nach Afrika reist, wird er nicht mehr als Schweizer U21-Spieler, sondern als Löwe mit Startelf-Garantie. Und vielleicht als jemand, der der Schweiz eines Tages im EM-Quali-Spiel den Ball abjagt. Ironie des Fußballs: Wer zu spät kommt, kommt eben woanders rechtzeitig an.
