Russland feiert gold-comeback: voronchikhina löst emotions-coup im super-g
Die 23-jährige Sibirjakin Warwara Voronchikhina hat am dritten Wettkampftag von Cortina d’Ampezzo die Paralympics mit einem Knall eröffnet – und zwar einen, der politisch ebenso nachhallt wie sportlich. In 1:15,60 Minuten donnern sie im Super-G der stehenden Damen auf Rang eins, kassiert Russlands erstes Gold unter eigener Flagge seit Sotschi 2014 und spült eine Lawine an Gefühlen in die italienische Bergwelt.
Die fahrt, die alles veränderte
Voronchikhina startete mit Startnummer 7. Sie flog aus dem Haus, legte 1,96 Sekunden auf Weltcup-Siegerin Aurélie Richard und sogar 2,04 Sekunden auf die bislang unbesiegbare Schwedin Ebba Arsjö – eine Ewigkeit im Super-G. Als die Zeit aufleuchtete, schlug die Anwärterin die Hände vors Gesicht, Tränen kullerten unter der Skibrille. „Ich verstehe noch nicht, was passiert ist“, sagte sie mit zitternder Stimme, „ich fühle den Rückhalt von Millionen daheim.“
Das Podium komplettierte Andrea Rothfuss als Vierte – die erfahrenste Deutsche im Feld. Die 36-Jährige holte mit +3,35 Sekunden ihr bestes Super-G-Ergebnis seit Jahren, domischt dabei aber die Brisanz: „Sportlich war das die beste Fahrt heute. Menschlich ist das Ergebnis schwer zu verkraften.“

Flagge, hymne und ein paukenschlag
Zum ersten Mal seit zwölf Jahren erklingt in der Siegerehrung die russische Hymne, die Trikolore weht über Cortina. Das IPC hatte russische und belarussische Athleten nach vier Jahren Isolation wieder eingeladen – auf Druck des Internationalen Sportgerichtshofs CAS und nach geheimen Wildcard-Vergaben. Die Entscheidung spaltet das Athletenlager: Die einen sprechen von zweifelhaften Präzedenzfällen, die anderen von sportlicher Versöhnung.
Für Deutschland verlief der Tag ernüchternd. Anna-Maria Rieder aus Murnau rutschte auf Rang elf ab (+8,68), verpasste als Titelverteidigerin die Podest-Chancen komplett. „Die Strecke war schnell, aber mein Ski wollte einfach nicht mit“, kommentierte sie knapp.

Der countdown läuft weiter
Mit Vorontschichinas Gold ist der Riss durch das Paralympic-Dorf größer geworden. Das IOC hatte die Neutralregel für Olympia verschärft, das IPC zog nach – und kassierte prompt den nächsten Image-Schaden. Am Mittwoch folgen Riesenslalom und Slalom, da will Rothfuss angreifen, Arsjö Revanche nehmen und Voronchikhina beweisen, dass ihre Fahrt kein einmaliges Zucken war. Der Sport gewinnt eine neue Heldin, die Politik verliert ihren letzten moralischen Kompass – und die Spiele geben trotzdem keinen Millimeter nach.
