Ronaldo fällt aus – portugals wm-plan wird auf die probe gestellt
Die Seleção muss gegen Mexiko und die USA ohne ihren Rekordtorschützer auskommen. Cristiano Ronaldo, 41, zieht sich eine Oberschenkelblessur zu – und liefert Roberto Martínez eine Zerreißprobe, nur 100 Tage vor dem WM-Start.
Die Verletzung passierte Ende Februar im saudi-arabischen Clásico, Al-Nassr gegen Al-Fayha. Ein Sprint, ein Zupfen, ein Schmerzen. Seitdem fehlt CR7 im Training, und die Gerüchteküche brodelt. „Leicht irritiert“, wie Martínez es nannte, klang schon nach Verharmlosung. Jetzt ist klar: Der Superstar fehlt im 27-Mann-Kader für die letzten Tests vor dem US-Sommermärchen.

Martínez setzt trotzdem auf ronaldo als fixpunkt
Der spanische Coach nahm die Nominierung zum Jahresrundumschlag. „Wir planen fest mit Cristiano“, betonte er am Freitag in Lisboa. Deutlicher ging’s nicht. Die Frage ist nur: Plant man mit einem Fitnesstand, den es aktuell nicht gibt? Die Antwort liefert der Sturmplan. Goncalo Ramos und Ronaldo sollen sich die Neun teilen – ein Duo, das bisher nie 90 Minuten durchhielt. „Wir brauchen ein drittes Profil“, sagte Martínez. Dahinter lauert der Verdacht: Jota, Felix oder Leão müssen zur Not die Spitze rücken.
Der Kader liest sich wie eine Pariser Innenverteidigung. Vier Spieler stammen vom Champions-League-Sieger PSG: Vitinha, Danilo Pereira, Nuno Mendes und Renato Sanches. Sporting liefert dieselbe Anzahl, womit gleich acht Portugiesen aus dem eigenen Nachwuchs stammen. Ein Statement – und eine Wette auf Chemie statt Galácticos.
Die Partien in Mexiko-Stadt und Atlanta bezeichnete Martínez als „letzte Experimentierphase“. Klingt nach Prestige, ist aber Realität. Nach dem Double-Header in der CONCACAF-Zone stehen nur noch drei Freundschaftsspiele bis zur Eröffnung gegen Kolumbien in Dallas. Bis dahin muss die Seleção wissen, wer ihre Neun trägt, falls Ronaldo erneut ausfällt.
Die Gruppe K wartet mit Usbekistan und einem Playoff-Gegner (Kongo, Jamaika oder Neukaledonien) auf. Theoretisch ein losbares Los. Praktisch wird der Titelverteidiger der USA 2016 aber nur so weit kommen, wie seine Anführer laufen können. Ohne Ronaldo ist die Führung nicht abstrakt, sondern angeknackst.
Die Uhr tickt. Am 15. Juni geht’s los. Bis dahin hat Ronaldo exakt 86 Tage, um seine 42 Jahre und seinen Oberschenkel in Form zu bringen. Für Martínez beginnt der Countdown jetzt – mit oder ohne den Superstar, der nie fehlen wollte.
