Ronaldinho kehrt zurück – und er ist nicht der einzige

Der Ball ruft, und sie folgen. Ronaldinho Gaucho, 43 Jahre alt, längst zur Legende erklärt, zieht wieder Fußballschuhe an. Sein neues Ziel: Ravenna Calcio, Serie D. Das offizielle Video auf Instagram knackte binnen acht Stunden die Millionen-Marke. Einem Jugendtraum gleich, nur mit grauen Schläfen.

Doch der Brasilianer ist kein Einzelfall. Die Liste der Rückkehrer liest sich wie eine Hall-of-Fame-Ausstellung: Paul Scholes schwang sich 2012 für ein halbes Jahr wieder in die Premier League. Arjen Robben, 37, lief 2020 noch einmal für Groningen auf. Johan Cruyff selbst trat in den 80ern nach seinem ersten Abschied noch einmal für Ajax an. Und Marc Overmars? Der Ex-Niederländer prüfte 2021 ein Kurz-Comeback bei Go Ahead Eagles, stoppte sich dann aber doch.

Warum sie nicht nein sagen können

Es ist nicht das Geld. Ravenna bezahlt Ronaldinho laut italienischen Medien 1.500 Euro pro Monat – weniger, als er in einer Werbepause zwischen zwei Instagram-Stories verdient. Es ist der Geruch von Rasen, das Gefühl, nach der ersten Ballberührung wieder 20 zu sein. „Ich habe nie wirklich aufgehört, ich habe nur pausiert“, lachte der Gaucho gestern Abend im Stadion von Rio de Janeiro, während Fans Samba-Rhythmen anstimmten.

Der Vater von Ronaldinho, João de Assis Moreira, starb 1989 an einem Herzinfarkt im Schwimmbad. Sein Sohn war acht. „Er sagte mir immer: ‚Spiele so, als wäre es das letzte Mal‘“, erinnert sich Ronaldinho. Vielleicht ist das der Grund, warum er nach jedem Abschied wieder zurückkommt – weil für ihn kein Spiel je das letzte sein darf.

Die Serie der Comeback-Versuche reicht bis in die Torwartposition: Wojciech Szczęsny trainierte im Juni 2024 wieder mit der polnischen Nationalmannschaft, nachdem er 2023 seine Karriere beendet hatte. Jens Lehmann, 54, stand 2021 für ein Testspiel von Arsenal U23 zwischen den Pfosten. Auch Fredrik Ljungberg überlegte laut, laut, laut. Die Verlockung ist universell: ein letztes Mal das Publikum spüren, die LED-Lichtung, den Applaus.

Was das über den modernen fußball verrät

Was das über den modernen fußball verrät

Die Tatsache, dass Superstars wie Ronaldinho oder Robben nach Jahren der Inaktivität zurückkehren, zeigt eine Verschiebung im Profisport. Früher war ein Rücktritt endgültig. Heute ist er nur eine Phase. Die körperliche Lebenserwartung der Spieler steigt, die medizinische Betreuung wird immer besser – und der emotionale Faktor bleibt ungebrochen.

Ravenna hat seit der Ankündigung 40.000 neue Instagram-Follower gewonnen. Die Tickets fürs erste Heimspiel der Saison sind ausverkauft. Die Fans wollen keine Tore, sie wollen eine Geschichte. Und Ronaldinho gibt sie ihnen: eine Geschichte über die Unmöglichkeit, sich vom Fußball zu verabschieden.

Für den Gaucho ist es nicht das erste Comeback. 2015 spielte er für Querétaro, 2016 für Fluminense. Jedes Mal glaubte er, es sei das letzte Mal. Jedes Mal irrte er sich. Vielleicht ist die Wahrheit einfach: Manche Menschen hören nie auf, Fußball zu spielen – sie spielen nur weniger.