Rockets versenken sich in minnesota: 13-punkte-führung in der verlängerung verschenkt

Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Was in Minneapolis passierte, spottet jeder NBA-Logik. Die Houston Rockets führten in der Verlängerung noch 108:95, dann kam nichts mehr. Kein Korb, kein Freiwurf, kein Plan. Am Ende steht ein 108:110 nach OT und ein Negativrekord, der selbst die erprobten Crash-Test-Dummies der Liga erschaudern lässt.

Seit 1996 trackt die NBA jeden Ballwurf, seither hatte kein Team eine 13-Punkte-Overtime-Führung noch verspielt. Die Rockets machten es vor, zweimal. Denn gleichzeitig nagelt diese Statistik sie auch auf Platz eins der peinlichsten Comeback-Kandidaten überhaupt.

Die letzten 180 sekunden: ein krimi in echtzeit

0:3:00 – Houston führt 108:95, Minnesota fehlen Rudy Gobert (Fouled out), Naz Reid (Ejection) und Jaden McDaniels (Verletzung). Die Win-Probability für die Wolves: 0,3 %.
0:2:45 – Jabari Smith Jr. verpasst den Dreier, Acht-Sekunden-Violation.
0:2:10 – Alperen Sengün verlässt den Korbleger, Thompson rutscht der Floater über den Ring.
0:1:30 – Kevin Durant wirft den Ball weg, Julius Randle trifft den baseline Jumper – 108:104.
0:00:04 – Durant an der Linie, zwei Freiwürfe, beide drückt die Hand. Zweiter absichtlich kurz, Kante, aus. Wolves-Ball, Randle mit dem turnaround Sieger – 110:108.

Die Rockets trafen ihre ersten 23 Freiwürfe, die letzten beiden, die zählten, nicht.

Crunchtime-krankheit: minus 9,4 punkte pro 100 possessions

Crunchtime-krankheit: minus 9,4 punkte pro 100 possessions

Das Net-Rating der Texaner in den letzten fünf Minuten bei Spielen mit max. fünf Punkten Differenz fällt auf -9,4. Nur Miami (-10,4) und Denver (-10,4) sind noch schlechter – und das obwohl Houston jahrelang als „Clutch City“ galt. Mittlerweile ist „Crash City“ angesagt: 14 vierte Viertel schon verschenkt, davon fünf in den letzten zehn Partien. Gegen Minnesota rissen die Ketten auch noch in der Zusatzzeit.

Coach Ime Udoka brannte nach dem Schlusspfiff seine Preset-Rede ab: „Wir spielten, als wäre der Sieg schon eingepackt. Ballverluste, verschlafene Rotations, keiner ging mehr zum Brett.“ Kevin Durant, 36 Punkte vorher, suchte im Interviewraum nach Worten und fand nur: „Ich kann es immer noch nicht fassen.“

Playoff-risiko: wolves enteilen, suns lauern

Playoff-risiko: wolves enteilen, suns lauern

Mit der Niederlage bleibt Houston Sechster der West-Conference, der Vorsprung auf Phoenix beträgt weiter 3,5 Spiele. Doch Minnesota zieht auf 1,5 Siege davon und besitzt das Tie-Break. Die Statistik mag beruhigen, die Stimmung nicht. „Wir haben uns selbst die Playoff-Atmosphäre genommen“, sagte Sengün, der mit 28 Punkten und zwölf Rebounds eigentlich zur Siegermannschaft gehörte.

Die Rockets fliegen nach Hause, wo die Analytics-Abteilung neue Crunchtime-Drills schnürt. Bleibt die Frage: Wer tritt in den letzten drei Minuten als Anführer auf? Bisher antwortet nur die Anzeigetafel – mit einem neuen Negativrekord, der in 29 Jahren NBA-Chronik keine Fußnote findet, sondern ein Ausrufezeichen. Houston hat die Krise, die Wolves haben den Sieg, und die Playoffs rücken ein Stück näher an Minnesota heran. Die Uhr tickt, die Rockets auch.