Robert Gesink über Doping im Radsport: „Als ich zum Peloton kam, war Doping die Norm“

Robert Gesink hat im Podcast „Bahamontes“ erneut über die Dopingkultur im Profiradsport gesprochen. Der niederländische Fahrer, der 2024 seine Karriere beendete, berichtete von Angeboten, die er ablehnte, und der allgegenwärtigen Verdachtsmentalität in den 2000er Jahren.

„Doping war die Norm“

„Als ich zum Peloton kam, war Doping die Norm“, sagte Gesink. Er erlebte eine Zeit, in der Medikamente Teil des Alltags waren und in Gesprächen zwischen Fahrern praktisch als Pflicht galten. Junge Profis erhielten bei ihrem Einstieg teils konkrete Anweisungen zu EPO-Dosen. „Statt härter zu trainieren, griffen die Leute auch zu Dopingmitteln“, ergänzte er.

Verdacht und Neid prägten das Peloton

Verdacht und Neid prägten das Peloton

Gesink, der 2007 nicht beim Tour-de-France-Ausschluss von Michael Rasmussen dabei war, beschrieb die damalige Atmosphäre: „Es waren nicht die besten Jahre, es gab viel Misstrauen, Neid und Unsicherheit.“ Bei jedem guten Ergebnis habe man sofort vermutet, der Fahrer habe „etwas Neues entdeckt“. Diese Dynamik hielt über Jahre an.

Der Niederländer gestand, selbst an die Verlockung geglaubt zu haben: „Als ich jung war, dachte ich, dass ich, wenn ich so gut sein wollte, dasselbe tun müsste.“ Unterstützung aus seinem Umfeld habe ihn auf dem richtigen Weg gehalten.

Boogerd als potenzieller Einfluss

Boogerd als potenzieller Einfluss

Gesink nannte Michael Boogerd als Beispiel für die Macht etablierter Fahrer: „Er hätte mich bei meinem ersten Trainingslager problemlos adoptieren können, und ich wäre ihm enthusiastisch gefolgt, weil ich im Grunde so gut wie er sein wollte.“

Radikaler Wandel durch Kultur und Technik

Der heutige Radsport habe sich radikal verändert, so Gesink. Die Kultur sei sauberer geworden – durch Ernährung, Höhentraining und technologische Fortschritte lasse sich mehr leisten, ohne zu dopen. „Der Radsport ist heute viel sauberer, aber natürlich wird es immer welche geben, die betrügen“, schloss er.

Gesink fuhr fast zwei Jahrzehnte als Profi, wurde zweimal Top-10 bei der Tour de France und nie in einer Untersuchung genannt. Heute kämpft er mit persönlichen Problemen und findet „leider nicht seinen Weg“.