Rippenpein zerstört paula blasis traumstart in sabiñánigo
Kein Startaufstieg, kein Sprint, kein Jubel. Paula Blasi sitzt in einer Klinik in Barcelona und wartet auf das Röntgenbild, das ihre Saison entscheiden könnte. Die 24-jährige Katalanin, bis vor zwei Tagen noch Geheimfavoritin der Straßen-Meisterschaften in Sabiñánigo, ist nach einem spektakulären Sturz aus dem Rennen geflogen – und mit ihr ein Großteil der Spannung.
Sturz am vorabend der einzelzeitfahrt
Es passierte auf dem letzten lockeren Ausrollen. Nass glänzendes Asphaltband, ein Fahrfehler, ein dumpfer Aufprall. Blasi knallte auf die rechte Seite, das Knirschen der Karbonfelge mischte sich mit ihrem Keuchen. Teamkolleginnen rannten herbei, doch Blasi rappelte sich sofort wieder auf. „Alles gut“, winkte sie ab. Wer ihr Gesicht sah, wusste: Es war nicht gut.
Am nächsten Tag versuchte sie es trotzdem. Sattel auf, Beine über, zwei Umdrehungen – und Schmerz, scharf wie ein Messer zwischen den Rippen. „Jedesmal, wenn ich die Arme streckte, fühlte es sich an, als würde jemand nachsitzen“, berichtete sie wenig später. Die Mechaniker schwiegen, die Physios zuckten mit den Schultern. Eine Entscheidung war fällig.

Präzise diagnose statt hauruck-mentalität
Blasi und ihr Staff ließen keine Stunde verstreichen. Abmarsch Richtung Flughafen Zaragoza, Koffer voller Eisbeutel, Ticket nach Barcelona gebucht während der Fahrt zum Terminal. Dort angekommen, sofort CT-Termin in der Hospital del Mar. Ergebnis: keine offene Fraktur, aber ein breiter Hamatomgürtel und Verdacht auf angeknackste Rippen. Ein Rennen mit solchen Symptomen wäre reine Folter – und potenziell karrierebedrohend.
„Ich hätte mir nie verziehen, jetzt noch das Risiko einzugehen und im Juli beim Tour-Auftakt mit einer Trümmerbrust anzutreten“, sagte Blasi im kurzen Telefonat, das sie kurz vor der Untersuchung führte. Ihre Stimme war ruhig, dennoch nagte der Frust. Schließlich hatte sie die Vorbereitung auf diesen einen Tag seit November zelebriert: Blockperiodisierung, Winterschlaf in Denia, Windkanaltests in Valencia. Alles für ein 90-Minuten-Feuerwerk in den Pyrenäen – zunicchlag.

Spanien verliert seine heimliche hauptdarstellerin
Mit Blasi verschwindet nicht nur ein Name von der Startliste. Sie war die einzige Fahrerin, die im Frühjahr drei nationale Rundfahrten in Folge dominierte und dabei die Schwergewichte Mavi García und Alison Jackson distanzierte. Ihre Spezialität: brutale Steigungen mit hoher Kadenz und kalten Beinen. Das Rennen in Sabiñánigo hätte diese Stärke perfekt in Szene gesetzt: 2.200 Höhenmeter in 90 Kilometern, ein Finale auf 13 %.
Die Organisatoren reagierten sofort. Die Rede von der „verknappten Favoritin“, die auf der Pressekonferenz stehen sollte, wurde gestrichen. Die Starterliste wurde neu gedruckt – 132 statt 133 Teilnehmerinnen. Einige Teams tauschten kurzfristig Taktikpläne: statt auf Blasis Spur zu warten, rückt jetzt Lorena Llamas ins Rampenlicht. Doch jeder im Fahrerlager weiß: Die eigentliche Show fehlt.
Nächstes ziel: vollständige genesung vor dem tour-start
Die Röntgenplatte liegt jetzt auf dem Schreibtisch des Teamarzts. Die Diagnose: Haarriss im 7. und 8. Rippe rechts. Kein Grund zur Panik, aber vier Wochen absolute Schonung. Das bedeutet: kein Fahren, kein Krafttraining, nur Atemphysiotherapie und schmerzfreies Spazierengehen. Der Tour-Start in Clermont-Ferrand rückt in 42 Tagen. Ein knappes Zeitfenster, aber machbar.
Blasi selbst reagiert nüchtern. „Ich habe zwei Jahre gebraucht, um hier hinzukommen. Vier Wochen Pause sind kein Weltuntergang, wenn ich danach wieder Vollgas geben kann.“ Ihre Managerin Marta Ramírez bestätigt: „Keine Show-Einsätze, keine PR-Termine. Paula bekommt Ruhe bis die Knochen quietschen.“
Am Samstag, wenn das Nationals-Peletón in Sabiñánigo losfliegt, wird sie stattdessen auf der Couch liegen. Fernbedienung in der Hand, Eisbeutel auf der Brust, Blick auf die Uhr. Um 13:30 Uhr startet das Rennen – und damit der Countdown zu ihrer Rückkehr.
