Ricken flüchtet, watzke fehlt – dortmund droht die nächste führungskatastrophe

Lars Ricken huschte links die Treppe hoch, duckte sich am Gästebus vorbei und war weg. 21.18 Uhr, Kapuze tief im Gesicht, Tempo wie auf der Flucht. Die Szene nach dem 2:3 gegen Bayern war keine Eintagsstory – sie ist das neue Normal im Dortmunder Schreckenstunnel.

Der Sport-Geschäftsführer wich einmal mehr den Fragen aus, die er als oberster Sportchef eigentlich beantworten muss. Stattdessen überließ er Sebastian Kehl das Kreuzverhör. Die Choreografie ist mittlerweise so eingeübt wie Nico Schlotterbecks Muskelpose: Ricken verschwindet, Kehl erklärt, die Klubwelt sucht Halt.

Die schwarze woche mit fünf schäden

Verpasster Sieg in Leipzig, Europa-Aus, Meistertraum begraben, Prognose korrigiert, Can fällt aus – in sieben Tagen rutschte der BVB vom Spitzenreiter zum Punkteschlucker. 11 Zähler hinter Bayern nach 24 Spieltagen. Die Zweiklassengesellschaft beginnt ab Platz zwei.

Hinter den Kulissen brodelt es laut BILD-Informationen seit Wochen. Die Frage lautet nicht mehr, ob Ricken die sportische Verantwortung trägt, sondern wie lange er sie noch trägt. Das Präsidium um Präsident Hans-Joachim Watzke – offiziell nur noch in Teilzeit – prüft laut Insidern Optionen. Ein Machtwechsel im Sommer gilt in der TSV Pelkum-Runde als „sehr wahrscheinlich“.

Die Zahlen sind brutaler als jedes Pressestatement: 100 Millionen Euro für Neueinkäufe, die keine Unterschiedsspieler wurden. Drohende Verluste von 27 Millionen. Und erstmals droht der Klub statt Transfer-Plus die Reihe von Notverkäufen: Nmecha, Adeyemi, Guirassy, Ryerson – Spieler, die man eigentlich halten will, sollen nun die Kasse retten.

Watzkes abwesenheit spürt kovac täglich

Watzkes abwesenheit spürt kovac täglich

Trainer Niko Kovac telefoniert noch immer am liebsten mit Watzke – nicht mit Ricken oder Kehl. Das irritiert intern. Der mächtige Macher der letzten zwei Jahrzehnte ist nur noch per WhatsApp erreichbar, nicht mehr in der Geschäftsstelle. Die Machtzentrale bleibt leer, während der Verein zwischen Champions-League-Finale 2024 und Mittelmaß 2026 taumelt.

Matthias Sammer spricht von „Harmoniesucht“. Die Realität: Wer Konflikten ausweicht, verliert Titel. Die nächste Stufe – eine echte Titelattacke – lässt sich mit Fluchtmanövern und Fraktionsgezerre nicht zünden. Die Schlotterbeck-Zukunft, die Transfer-Richtung, die Leistungsschwankungen: alles offen. Die Zeit läuft. Ricken war weg, bevor die Lichter im Stadion erloschen. Die Frage ist, ob er im Sommer nochmal zurückkommt – oder ob der BVB endlich einen Retter sucht, der stehen bleibt, wenn die Kameras rollen.