Renard: tunesiens letzter hoffnungsschimmer vor japan-duell?
Monterrey – Ein Mann mit bewegter Vergangenheit, ein Feuerwehrmann der besonderen Art: Hervé Renard steht vor der Mammutaufgabe, Tunesien bei der WM 2026 zu retten. Nach dem desaströsen Start in Mexiko und der Entlassung von Sabri Lamouchi winkt dem Franzosen nun die Chance, eine Nation in Hoffnung zu versetzen – und das, nachdem er selbst schon als Hausmeister den Traum vom Fußball verfolgte.
Von der putzelei zum wm-coach: renards außergewöhnlicher aufstieg
Renards Lebenslauf liest sich wie ein Drehbuch. Als Spieler blieb ihm der Durchbruch verwehrt, doch der Trainerberuf schien von Anfang an sein Schicksal zu sein. Um sich seinen Traum zu erfüllen, schuftete er zwischen 1997 und 2005 als Hausmeister, um sich neben dem Training bei SC Draguignan über Wasser zu halten. „Ich bin um 2:30 Uhr aufgestanden, gegen Mittag war ich fertig, und um 17 Uhr ging es zum Training“, erinnert er sich. Ein Leben zwischen Staubwischen und Taktiktafeln – eine Geschichte, die ihresgleichen sucht.
Diese unbändige Entschlossenheit zahlte sich aus. Nach Stationen in der afrikanischen Vereinsfußballszene führte Renard 2012 überraschend Sambia zum Afrika-Cup-Titel. Drei Jahre später wiederholte er den Coup mit der Elfenbeinküste. Es folgten weitere Engagements, darunter Marokko und Saudi-Arabien, wo er stets bewies, dass er auch in schwierigen Situationen Lösungen finden kann.

Tunesiens chaos und renards sensibilität
Das Schicksal seines Vorgängers Lamouchi berührt Renard sichtlich. „Wenn so etwas einem Trainer passiert, versetze ich mich immer in seine Lage“, erklärt er. Er kennt die Verzweiflung, die mit dem abrupten Ende einer Trainerkarriere einhergehen kann. Doch anstatt sich auf die Vergangenheit zu konzentrieren, richtet er seinen Blick nach vorne. „Es gibt Leute, die extra hierhergekommen sind, um uns zu unterstützen. Wisst ihr, wie viel sie ausgegeben haben?“, appellierte er an seine Mannschaft. „Jetzt bringen wir die Dinge wieder ins Lot!“
Die Aufgabe ist alles andere als einfach. Tunesien präsentierte sich bisher als das chaotischste Team der WM – von gelöschten Posts in den sozialen Medien bis hin zu drohenden Rücktritten von Funktionären war alles dabei. Die Mannschaft ist verunsichert, die Erwartungen sind hoch. Doch Renard, der selbst schon so manche schwierige Situation gemeistert hat, scheint genau der richtige Mann für diese Aufgabe zu sein. Gegen Japan, die laut Renard „beste Mannschaft Asiens“, muss Tunesien zeigen, dass es den Willen und die Leidenschaft besitzt, umso zu überzeugen.
Die Partie gegen Japan wird zeigen, ob Renard tatsächlich der „ewige Retter“ ist, von dem ESPN spricht. Doch eines ist klar: Der Franzose hat die Kraft, eine Mannschaft zu motivieren und zu Höchstleistungen zu führen. Und das, nachdem er einst als Hausmeister den Traum vom Fußballleben lebte. Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.
