Rekord-schiedsrichter werner ziebold pfeift nach 90 jahren ab!

Müllheim. Ein Fußballtraum geht zu Ende: Werner Ziebold, Südbadens dienstältester Schiedsrichter, hat seine Pfeife nach mehr als sechs Jahrzehnten auf dem Platz endgültig an den Nagel gehängt. Mit 90 Jahren legte der Mann, der das Fußballgeschehen im Kreisliga über unzählige Jahre hinweg prägte, seine Funktion nieder – ein Abschied, der nicht nur in Müllheim, sondern im gesamten Fußballverband für Respekt und Anerkennung sorgt.

Der abschiedsschmerz und die freude zugleich

„Selbst mit 90 Jahren noch auf dem Platz gestanden zu haben, ist eine schier unglaubliche Leistung“, so Knut Kircher, Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH, in Anerkennung des außergewöhnlichen Engagements des Veteranen. Ziebold selbst wird vor allem das Laufen vermissen, wie er dem SWR verriet. Doch die körperlichen Strapazen, insbesondere ein belastender Meniskusschaden und seit kurzem Wasser auf der Lunge, machten dem unermüdlichen Schiedsrichter zu schaffen. Der Arzt ordnete die „Schiri-Rente“ schließlich an.

Es war sein letztes Spiel am Sonntag, die Kreisliga-Partie des SV Weilertal II gegen den SV Hartheim-Bremgarten II. Ziebold leitete die erste Halbzeit und ein paar Minuten obendrauf, bevor er sich dann von seinem Nachfolger ablösen ließ. Ein emotionaler Abschied, der bei den jungen Spielern für große Begeisterung sorgte. 13-jähriger Louis Lambracht erklärt: „Wenn er Freistoß pfeift, wird seine Entscheidung nicht diskutiert!“

Mehr als nur ein schiedsrichter – eine legende

Mehr als nur ein schiedsrichter – eine legende

Werner Ziebold war für viele mehr als nur ein Schiedsrichter. Er war eine Institution, eine Legende, die den Verein über Jahrzehnte hinweg mit ihrer Erfahrung und ihrem Engagement bereicherte. Die Jugendleiterin des SV Weilertal, Sabine Leisinger, betont, dass selbst die jüngsten Spieler Ziebold mit Respekt begegneten: „Die kleinen sagen, da kommt ein ganz alter Mann, der ist wie mein Opa.“

Trotz seines hohen Alters hat Ziebold nie ernsthaft über einen Rücktritt nachgedacht. „Körperlich konnte ich das immer noch durchhalten. Ich habe gesagt, solange die Beine mitmachen“, so Ziebold. Und seine Routine, gepaart mit der Tatsache, dass der Verband ihn bei Bedarf immer wieder anrufen konnte, sorgte dafür, dass er auch in kritischen Situationen einsatzbereit war. Jetzt, da die Kraft nachlässt und das Alter seine Spuren hinterlässt, ist der Abschied jedoch unvermeidlich.

Seine Pfeife wird nun verstummen. Mit dem 1:1 des SV Weilertal II gegen den SC Hartheim-Bremgarten II ist ein Kapitel im südbadischen Fußball endgültig geschlossen. „Da ich weiß, dass die Kraft nachlässt, jetzt mit 90, bin ich ganz zufrieden“, fasst Ziebold seinen Rücktritt zusammen. Ein Mann, der mehr als sechs Jahrzehnte dem Fußball gewidmet hat, verabschiedet sich – und hinterlässt eine Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird.