Rekord-neuer führt dfb-team zum kantersieg in toronto
Manuel Neuer schreibt Geschichte – und tut das mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon alles gesehen hat. Mit seinem 21. WM-Einsatz überholt der 40-jährige Bayern-Keeper den Franzosen Hugo Lloris und krönt sich zum alleinigen Rekordtorhüter der Weltmeisterschaften. Die Kulisse dafür: ein kunterbuntes Toronto-Stadion, in dem 45.000 Zuschauer dem DFB-Team beim 4:1 gegen die Elfenbeinküste zujubeln. München trifft Yamoussoukro – und die Bayern-Seite gewinnt.
Sané schweigt die kritiker mit einem traumtor
Leroy Sané hatte genug gehört. Nach Wochen des Geredes über seine Form und seinen Charakter schickte sich der Galatasaray-Flügelspieler an, die Debatte mit einem einzigen Schlag zu beenden. In der 23. Minute nahm er einen Diagonalball von Jamal Musiala direkt, ließ zwei Ivorer stehen und hämmerte das Leder ins lange Eck. Das war keine Antwort, das war eine Predigt. Neben dem Platz jubelte Ilkay Gündogan, der in seiner Spiegel-Kolumne Sanés „schüchterne Stärke“ gelobt hatte. Jetzt stand Gündogan mit Tränen in den Augen da und winkte seinem langjährigen Weggefährten zu. Die Botschaft war klar: Manchmal reicht ein Tor, um ein Narrativ zu sprengen.

Nagelsmann spielt seine elf in den rhythmus
Julian Nagelsmann versteht die Macht der Wiederholung. Gegen Curacao ließ er dieselbe Formation antreten, die nun auch die Elfenbeinküste zerlegte. Die Logik dahinter: Warum experimentieren, wenn der Motor bereits heiß läuft? Wirtz und Musiala wirbelten wie Tänzer durch die afrikanische Abwehr, Kai Havertz netzte doppelt und schickte die deutschen Fans im Block G3 in Ekstase. Die Ivorer? Sie kamen durch einen Foulelfmeter von Sebastien Haller zum Anschlusstreffer, doch mehr war gegen die kompakte Viererkette der Deutschen nicht drin.

Zwischen kakao und kirche – der wm-gastgeber aus westafrika
Die Elfenbeinküste hatte sich als schwieriger Gegner angekündigt: schnell, robust, gefährlich im Umschaltspiel. Doch was die Ivorer in der Gruppenphase zeigten, reichte nicht gegen einen Gegner, der jeden Quadratmeter ausnutzte. Trainer Jean-Louis Gasset stand nach dem Spiel mit hängenden Schultern da und gestand: „Wir haben gegen ein Team verloren, das heute keine Schwäche zeigte.“ Die Ivorer können trotzdem aufatmen: Gegen Ecuador reicht wohl ein Remis fürs Achtelfinale. Die Basilika Notre-Dame-de-la-Paix in Yamoussoukro wird weiterhin hoffen.

Nächster halt: k.o.-runde – und vielleicht ein duell mit brasilien
Mit sechs Punkten und einem Torverhältnis von 11:2 ist das DFB-Team bereits für die nächste Runde qualifiziert. Die Stimmung im Lager ist euphorisch, aber nicht überschwänglich. „Wir haben nur das erste Ziel erreicht“, sagte Neuer nach dem Spiel, während er sich die Schweißperlen von der Stirn wischte. Die Fans in Toronto sangen „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, während sie Richtung Bloor Street zogen, um die Nacht durchzutanzen. Der deutsche Fanmarsch hatte begonnen – und diesmal zieht er bis ins Finale.
