Red bull-krise: lipowitz und evenepoel – ein déjà-vu im tour-bus?
Die Luft in der Red Bull-BORA-hansgrohe Mannschaft ist dicker denn je. Was als routinemäßige Teambildung vor der siebten Tour-Etappe gedacht war, entpuppte sich als PR-Desaster – und erinnert schmerzlich an eine ähnliche Situation beim Movistar Team vor einigen Jahren. Statt die vermeintliche Harmonie zwischen Kapitän Remco Evenepoel und Co-Leader Florian Lipowitz zu demonstrieren, schürte das Video nur weitere Zweifel.
Die inszenierung, die nach hinten losging
Die Idee war simpel: Evenepoel und Lipowitz vor die Kamera, ein lockeres Gespräch über den gestrigen Etappenverlauf, eine Botschaft der Geschlossenheit. Doch Lipowitz’ Bestätigung, dass alles „gut“ gelaufen sei, stand in krassem Widerspruch zu Evenepoels öffentlicher Kritik, er habe keine Unterstützung bei der Jagd nach den Bonifikationssekunden erhalten. Der Belgier, sichtlich frustriert, klagte über fehlende Hilfe und äußerte, das Thema müsse intern geklärt werden. Eine bittere Pille für das Team, das versuchte, den Eindruck eines harmonischen Teams zu erwecken.
Die Erinnerung an Movistar schlug hart zu. Auch das spanische Team hatte 2019 mit internen Querelen zu kämpfen, die in einem missglückten Videoverfahren gipfelten. Ein vermeintlicher Friedensschluss zwischen Nairo Quintana, Mikel Landa und Alejandro Valverde wirkte aufgesetzt und wurde von den Fans als Farce abgetan. Der Parallelschritt von Red Bull wirkte wie ein Déjà-vu, der die Glaubwürdigkeit des Teams weiter untergrub. Die ironischen Kommentare in den sozialen Medien sprachen für sich: „Gestellte Szene“, „Unangenehm“ und „Das ist doch alles nur Show“ waren nur einige der Urteile.

Ein machtkampf im peloton?
Die sportlichen Umstände verstärken die ohnehin angespannte Situation. Both, Evenepoel und Lipowitz, stehen im Fokus der Tour de France. Evenepoel, als Star-Neuzugang, gilt als einer der Top-Favoriten, während Lipowitz im Vorjahr bereits als Dritter glänzte. Eine klare Hierarchie fehlt, und die unterschiedlichen Qualitäten beider Fahrer führen zu taktischen Fragen und möglicherweise zu einem subtilen Machtkampf. Patrick Lefevere, ehemaliger Teamchef Evenepoels, hatte bereits vorab von einer „Spannung in den Sternen“ gewarnt. Er sieht in Evenepoel einen „Alpha-Mann“, der schwer eine Führungsrolle teilt.
Alberto Contador sieht die Lösung im internen Dialog: „Diese Dinge müssen im Bus geklärt werden.“ Doch die öffentliche Inszenierung des Versöhnungsversuchs hat das Gegenteil bewirkt. Es steht fest: Solange beide Fahrer im Klassement vorne mitmischen, werden die Entscheidungen auf der Straße – und die damit verbundenen Konflikte – beide weiterhin vor eine Zerreißprobe stellen. Die Strategie, das Problem mit einem Kamerateam zu lösen, hat kläglich versagt. Der Tour de France hat seinen eigenen Weg, Konflikte zu lösen – und der verlangt Taten, nicht Worte.
Die Moral der Geschichte? Ein Masseur im Bus mag eine gute Stimmung vortäuschen, aber echte Harmonie zeigt sich erst, wenn einer der Fahrer den anderen unterstützt – und das vor laufenden Kameras.
