Real madrid: ehemaliger torwart cañizares schießt scharf gegen stars und präsident
Madrid – Die Innenkabine von Real Madrid brummt, und das nicht nur wegen der sportlichen Missstände. Ehemaliger Torwart Santiago Cañizares hat in einem Radiointerview bei MARCA-Radio mit einer regelrechten Breitseite gegen zahlreiche Verantwortliche und Spieler des spanischen Rekordmeisters für Aufsehen gesorgt. Seine Worte sind ein deutliches Zeichen für die tiefe Krise, die den Verein aktuell zu zerreißen droht.

Die führungsfrage: valverde nicht als kapitän geeignet
Cañizares ließ wenig Gutes an der aktuellen Situation stehen. Besonders die Frage nach einem möglichen Nachfolger für den ausscheidenden Kapitän Dani Carvajal wurde von ihm harsch kommentiert. Während er Fede Valverde als „integren Profi“ lobte, betonte er deutlich, dass der Uruguayer „einfach kein Anführer“ sei. Das ist ein Schlag ins Gesicht für Valverde, der in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen hat. Aber Cañizares‘ Kritik ist klar: Valverde verkörpert nicht die Autorität, die ein Kapitän bei Real Madrid benötigt.
Noch deutlicher äußerte sich der Ex-Keeper über Vinícius Júnior. Dessen Auftreten sei „komplett von dem, was ein Kapitän bei Real Madrid sein muss“ entfernt. „Ernsthaftigkeit, Souveränität und Klasse“ – das seien die Eigenschaften, die man von einem Kapitän in Madrid verlange, und diese sehe er bei Vinícius aktuell nicht. Eine teils scharfe Kritik, die die Debatte um die Führungsrolle im Team weiter anheizt.
Doch es ist nicht nur die Führungsfrage, die Cañizares zu kritisieren weiß. Auch Präsident Florentino Pérez nahm im Visier. „Florentino war ein großartiger Präsident für Real Madrid. Er hat ein gewaltiges Stadion gebaut und siebenChampions-League-Titel gewonnen“, räumte Cañizares ein. „Aber er hat zwei sehr schlechte Jahre an Entscheidungen hinter sich.“ Das Wegbleiben beim Ballon d’Or, die gescheiterten Pläne für die Superliga und der Umgang mit internen Reibungen – all das sehe er kritisch.
Besonders bitter empfand Cañizares die Entscheidung, Trainer Xabi Alonso zu entlassen, während Vinícius Júnior trotz wiederholter Provokationen nicht sanktioniert wurde. „Das nimmt der allgemeinen Disziplin im Klub Glaubwürdigkeit“, so Cañizares. Die fehlende Konsequenz in solchen Fällen zeige, dass es an einer klaren Linie fehlt. Es ist ein Symptom für ein tieferliegendes Problem, das den Verein seit einiger Zeit plagt.
Die Abwesenheit erfahrener Kräfte wie Luka Modric und Toni Kroos, die einst das Innenleben der Kabine stabilisierten, sei ein weiterer Faktor, den Cañizares anspricht. Ihre fehlende Präsenz hinterlasse eine Lücke, die schwer zu füllen sei. Denn es braucht mehr als nur Talent, um eine Mannschaft zu führen – es braucht Persönlichkeiten, die in der Lage sind, auch schwierige Situationen zu meistern.
Obwohl er Carvajal in Schutz nahm und betonte, dass ihm nach seiner Verletzung nicht genügend Zeit gegeben wurde, um seinen Status sportlich zu untermauern, bleibt die Frage: Wie kann Real Madrid aus dieser Krise herausfinden? Die Worte Cañizares’ sind ein Weckruf – und zeigen, dass es dringend Veränderungen braucht, wenn der Verein seine frühere Dominanz wiederherstellen will. Denn eines ist klar: Die aktuellen Strukturen sind nicht tragfähig.
