Real madrid: champions-traum trotz liga-fiasko?

Madrid hat es wieder einmal geschafft: Während die Liga-Saison in eine bittere Katastrophe mündet – Titel bereits verspielt, Trainerentlassung im Jänner, eine peinliche Niederlage in Mallorca – klammert sich der Verein mit aller Macht an die Hoffnung auf den champions-League-Titel. Eine Geschichte, die der spanische Rekordmeister in seiner glorreichen Vergangenheit immer wieder schrieb.

Der stolz des bernabéu: europa ruft

Der stolz des bernabéu: europa ruft

Es ist eine fast schon kuriose Tradition im Hause Real Madrid: Während andere Top-Klubs ihre nationale Dominanz als Sprungbrett für europäische Erfolge nutzen, scheint der Bernabéu-Klub sich in der Liga oft schwer zu tun. Dennoch, oder gerade deswegen, blüht die Mannschaft dann in der Königsklasse auf. Der Beweis liegt auf dem Tisch: Legendäre Mannschaften wie Busbys Manchester United, Cruyffs Ajax, Beckenbauers Bayern, Sacchis Milan, Messis Barcelona, Mourinhos Inter und Guardiolas City – alle dominierten ihre Ligen und die champions League. Und auch der aktuelle Titelverteidiger, PSG unter Luis Enrique, zählt dazu. Real Madrid selbst feierte 2022 und 2024 den Double-Erfolg Liga und champions League – ein Beweis für die außergewöhnliche Fähigkeit, nationale Missstände mit kontinentalem Glanz zu überdecken.

Doch das ist längst nicht neu. Schon in der Ära Di Stéfano gelang es Madrid, trotz einiger schwacher Liga-Jahre, in Europa zu brillieren. Besonders zwischen den Jahrtausenden wurde diese Fähigkeit deutlich. Drei champions-League-Titel zwischen 1998 und 2002 wurden gefeiert, nachdem zuvor desaströse Saisons überstanden worden waren. 1997/98 drohte die Mannschaft sogar, den Einzug ins nächste Turnier zu verpassen, wurde aber in einem dramatischen Finale in Amsterdam gegen Juventus gerettet. Die Freude über den Titel währte jedoch nur kurz, denn eine Woche später entließ Trainer Jupp Heynckes.

Noch dramatischer war die Saison 1999/2000, als der Verein nach einer katastrophalen Liga-Spielzeit komplett aus der champions League ausgeschlossen wurde. Das Finale in Saint-Denis war somit ein Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Valencia. Trainer Vicente del Bosque improvisierte und formierte eine ungewöhnliche Dreierkette aus Helguera, Karanka und Iván Campo, die das Team in kritischen Duellen gegen Manchester United und Bayern München stabilisierte und schließlich mit einem klaren 3:0-Sieg in Paris den Titel sicherte. Auch unter Del Bosque folgte 2002 die Neunte, ebenfalls nach einer schwachen Liga-Saison mit einem dritten Platz und einer Niederlage im Pokalfinale gegen Deportivo La Coruña.

Und wer erinnert sich nicht an die Saison 2017/18, inmitten der dreifachen Champions-League-Triumphwelle unter Zidane? Die Liga wurde mit 17 Punkten Rückstand auf den FC Barcelona abgeklatscht, aber dank eines unglaublichen Volley-Tors von Bale im Olympiastadion von Kiew gegen Liverpool wurde erneut die europäische Krone geholt. Diese Fähigkeit, in Europa zu brillieren, obwohl die Liga-Saison ein Desaster war, ist ein Markenzeichen des Real Madrid.

Die jüngsten Aussagen von Vinícius Júnior, der ein mangelndes Verständnis für die taktischen Anweisungen von Xabi Alonso betonte, unterstreichen die aktuelle Verwirrung im Team. Ob Mbappé den Anforderungen des Königlichen gewachsen ist, fragt sich indes Ex-Profi Michel Arbeloa ungeniert. Die Saison ist noch lang, aber die madridistische Hoffnung auf einen weiteren Champions-League-Titel bleibt bestehen – selbst wenn die Liga in weiter Ferne liegt.

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