Rayismo: ein fan-odyssee und der chárter-coup für leipzig!

Carlos Jaén, Immobilienmakler und eingefleischter Rayo-Anhänger, hat in den letzten Tagen mehr erlebt als die meisten Fußballfans in einem ganzen Leben. Drei Europareisen, improvisierte Logistik und ein unerschütterlicher Glaube an seine Mannschaft – all das hat er auf sich genommen, um den Rayo-Fans die Reise zum Traumfinale nach Leipzig zu ermöglichen.

Von alicante nach bratislava: die logistischen hürden

Die Geschichte begann mit einer spontanen Idee. Jaén verfolgte die Europaspielreise seines Rayo Vallecano und erkannte schnell, dass die Organisation der Fanreisen eine Herausforderung darstellt. Flüge von Alicante nach Bratislava, gefolgt von Zwischenstopps in Frankfurt und Rückkehren über Alicante – jede Etappe war ein Wettlauf gegen die Zeit und ein Test für seine Improvisationsfähigkeiten. Die Kosten dafür waren immens, aber die Leidenschaft für den Verein trieb ihn an.

Die geburtsstunde des fan-chárters

Die geburtsstunde des fan-chárters

Als Rayo sich für das Finale in Leipzig qualifizierte, reifte in Jaén die Idee, eine größere Lösung zu finden. Die herkömmlichen Flugoptionen waren teuer und umständlich. Ein Flug nach München mit einem zusätzlichen Tag Aufenthalt kostete 550 Euro plus Zug- und Übernachtungskosten. Jaén entschied sich für einen Direktflug nach Leipzig für 690 Euro. Doch er wollte mehr tun, als nur seine eigene Reise zu organisieren. Er wollte den anderen Fans helfen.

Die Suche nach einem Chárter-Anbieter gestaltete sich schwierig. Ein erster Broker verlangte eine einmalige Zahlung von 123.000 Euro! Schließlich fand Jaén ein Unternehmen, das auf Sportveranstaltungen spezialisiert war. Der entscheidende Punkt: „Habt ihr Leute?“ Jaén nutzte seine WhatsApp-Gruppe „La Franja en Leipzig“, die aus 800 Mitgliedern bestand – ein Erbe früherer Gruppen, die bereits in Göteborg aktiv waren. Innerhalb von drei Stunden waren 220 Plätze auf dem ersten Chárter verkauft. Der Chárter existierte noch nicht, als Jaén ihn anbot – er schuf ihn quasi aus dem Nichts.

Mehr als nur eine reise: solidarität und gemeinschaft

Mehr als nur eine reise: solidarität und gemeinschaft

Heute arbeitet Jaén an einem zweiten Chárter, der am 27. Mai startet und am nächsten Morgen zurückkehrt. Er wird nicht länger von seinem eigenen Problem angetrieben, sondern vom Wunsch, den anderen Fans zu helfen. Die Solidarität in der Fangemeinde ist beeindruckend: Anhänger geben Abos und Codes ab, um ihre Leidenschaft zu zeigen. Jaén steht nur als Gesicht der Bewegung, betont er, aber „das verdanken wir allen“.

Ein europäisches puzzle aus verbindungen

Ein europäisches puzzle aus verbindungen

Die Fans aus ganz Europa versuchen, ihren Weg nach Leipzig zu finden. Flüge von Mallorca oder Teneriffa mit Zwischenstopps in Berlin, München, Wien, Prag und sogar Rom – die Routen sind so vielfältig wie die Leidenschaft der Fans. Jeder hat seine eigene, oft verrückte Route konstruiert, um das Finale nicht zu verpassen. Die Rayo-Website brach unter der Last der Fans zusammen, die versuchten, ihre Tickets zu verwalten. Ein Freund musste sogar sein Handydokument auszutauschen, damit sein Bruder Zugang zum Stadion erhält.

Familie, tradition und ein versprechen

Jaén reist mit seinem Vater und seinem Bruder nach Leipzig. Sein 88-jähriger Großvater, der vor 14 Jahren aus Andalusien nach Vallecas kam, konnte die Reise nicht antreten. Jaén hat ihm jedoch versprochen, ihn am Donnerstag mit der Copa durch den Stadtteil zu fahren, falls Rayo gewinnt. „Ich habe meinen Traum erfüllt, mit meinem Vater durch Europa zu Rayo zu reisen. Ich hätte nie gedacht, dass ich zwei Chárter füllen könnte, um den Traum einer ganzen Nachbarschaft zu verwirklichen“, sagt er.

Ein schiff ohne ruder

Jaén fasst die Situation treffend zusammen: „Der Rayismus ist wie ein treibendes Schiff, das alle Meere Europas befährt. Es ist ein Verein ohne Ruder, aber wir sind alle da, die Piraten, und sorgen dafür, dass er im Gleichgewicht bleibt.“ Am 27. Mai wird dieses Schiff in Leipzig anlegen. Jaén ist sich sicher: „Wir werden das gewinnen. So soll es sein.“