Raphinha blamiert brasilien – ancelotti zuckt mit den schultern

Carlo Ancelotti stand im Regen von Foxborough, sprach von „guter Arbeit“ und ließ dabei einen Spieler mit Muskelproblemen vom Feld tragen. Brasilien verlor 1:2 gegen Frankreich, blieb dabei zum vierten Mal in Serie ohne Tor von Raphinha oder Vinícius Jr. – und der italienische Trainer redet sich die Pleite schön.

Die Zahl, die alles sagt: Null Tore aus dem offensiven Duo seit 360 Minuten. Ancelotti sieht darin kein Problem. „Raphinha hatte gute Bewegungen ohne Ball, Vinícius ist immer gefährlich“, sagte er nach dem Schlusspfiff im Gillette Stadium. Dabei hatte Raphinha nach 45 Minuten ausgerechnet mit sich selbst zu kämpfen. „Ein Muskel zwickt“, berichtete Ancelotti, „morgen wird untersucht.“ Für Barça ein Albtraum, denn die Königsklassen-Viertelfinals rücken näher.

Die arena sang neymars namen – ancelotti blockt ab

Als Frankreich das 0:2 markierte, schwapste ein gedämpfter „Ney-mar!“ durch die Tribünen. Die Fans wollen ihren Superstar zurück, Ancelotti will darüber nicht reden. „Wir sprechen über die, die heute gespielt haben.“ Dabei hatte gerade Vinícius 90 Minuten lang gegen Jules Koundé und Benjamin Pavard kaum eine Spur hinterlassen. Raphinhas einzige Szene: ein Querpass in Seitfallen, der im Nichts verpuffte.

Der Coach verteidigte seine Auswahl mit der gleichen Gelassenheit, mit der er einst in Madrid Diskussionen über Benzemas Form ausklammerte. „Die Jungs arbeiten gut, das Ergebnis stört mich, nicht das Spiel.“ Doch die Tabelle der Torschützen lügt nicht. Seit seinem Amtsantritt im Januar hat Brasilien viermal gegen Top-Gegner getestet – und kein einziges Mal getroffen. Auch nicht aus dem Spiel heraus, auch nicht nach Standards.

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Ancelotti betonte, „große Konkurrenz“ herrsche für die endgültige 26-Mann-Liste. Dahinter steckt die Erkenntnis: Wer jetzt nicht trifft, fliegt raus. Rodrygo, Gabriel Jesus, Antony – alle lauern auf ihren Einsatz. Die Uhr tickt. In elf Monaten beginnt die WM. Brasilien braucht Tore, nicht Floskeln.

Der Trainer sprach von „guten Abläufen“, doch die Statistik liefert das Gegenteil: xG 0,8 für Brasilien, 2,1 für Frankreich. Kein Schuss auf den Pfosten, kein Lattentreffer, nur zwei Abschlüsse aus zentralen Positionen. Das sind keine Ausrutscher mehr, das ist ein Muster. Und Muster lassen sich nicht wegreden.

Ancelotti verließ die Pressekonferenz mit einem Satz, der klingt, als hätte er das Spiel schon abgehakt: „Wir arbeiten weiter.“ Für Raphinha heißt das vorerst: MRT, Muskeltest, vielleicht Reha. Für Brasilien heißt es: Weiter ohne Tore, weiter ohne Plan B. Die Fans in Boston sangen trotzdem. Sie wissen: Irgendwann muss Neymar wieder kommen – oder es wird richtig ungemütlich in Katar.