Rangnick zieht die klinge: österreichs plan a wird scharf geschliffen
Ein Blick auf die Tagesordnung von Ralf Rangnick reicht: Keine Experimente, keine netten Tests. In Marbella wird der ÖFB-Plan A auf Klinge geschliffen – 92 Tage vor dem WM-Auftakt gegen Jordanien.
Die Neuzugänge sollen nicht eingewöhnt, sondern eingebettet werden. Paul Wanner und Carney Chukwuemeka, frisch umgeschult auf Rot-Weiß-Rot, bekommen keine Schonzeit. Am Freitag gegen Ghana (18.00 Uhr, LIVE! bei kicker) steht die Generalprobe, und wer da nicht mitspielt, fliegt hintenüber. Rangnick: „Wir schärfen, was uns stark gemacht hat.“
Kein platz für romantik: 4-2-3-1 bleibt die waffe
Der Deutsche schwört auf seine Doppelsechs, auf das Gegenpressing, auf die Dreierkette hinter dem Ball. Ein Umstieg auf drei Innenverteidiger? Nur, wenn die Führung glüht. „Ich opfere keinen Offensiven für eine zusätzliche Betonwand“, sagt er und meint damit auch David Alaba, der in Aspern wieder auf dem Rasen steht und nicht in der Küche.
Christoph Baumgartner ist das Zünglein an der Neun-ein-halb. 16 Tore in 25 Pflichtspielen für Leipzig sprechen eine Sprache, die Rangnick versteht. Drei Doppelpacks in sieben Liga-Einsätzen – das ist kein Formtief, das ist ein Turbo. „Baumi“ trifft, assistiert, vertikalisiert. Patrick Wimmer bleibt der einzige Tempodribbler an der Außenbahn, doch Rangnick setzt auf drei Zehner, die sich wie Schachfiguren verschieben. Positionen sind Schall und Rauch, Raumgewinn zählt.
Die Videoanalyse läuft auf Hochkante. Einzelbilder von Pressingmomenten, Laufwege, zweite Bälle. Wer die Codes nicht versteht, fliegt aus dem Raster. Chukwuemeka, 20, kam als Kind nach Wien, spielte für England, will jetzt mit Alaba und Sabitzer jubeln. Wanner, 18, war schon 2022 Trainingsgast, jetzt soll er liefern.

Marbella ist schießstand, wien wird showbühne
Vier Tage Marbella, dann Umzug in den nagelneuen ÖFB-Campus. Öffentliches Training am Samstag, 11.30 Uhr – ein Blick für die Fans, ein Blick zurück für die Profis. Regeneration steht auf dem Plan, aber die Gedanken kreisen schon um Südkorea, um das letzte Testspiel am 31. März im Happel-Stadion. Dort will Rangnick die Klinge endgültig ziehen.
Ein funktionierendes System ist kein Garant für Titel, aber ein Ausscheiden ohne System ist garantiert. Rangnick weiß, dass Jordanien nicht wartet. Also schärft er jetzt, wo andere noch probieren. Am 17. Juni tickt die Uhr. Wer bis dahin nicht scharf ist, fliegt aus der Nominiermappe. Punkt.
