Puerta schlägt ein wie eine bombe – colombias jungstar fordert ríos heraus
San Diego – Die Luft knistert. In der Snapdragon Arena hat Gustavo Puerta gerade 45 Minuten Ruhe in den Wirbelwind des kolumbianischen Mittelfelds gebracht und gleichzeitig einen Sturm ausgelöst. Denn wer nach dem letzten Test vor der WM 2026 noch glaubte, Richard Ríos sei gesetzt, hat sich gründlich vertan.
Der 20-Jährige aus dem Valle del Cauca spielte gegen Jordanien nicht einfach mit, er dirigierte. 54 Pässe bei 85 % Trefferquote, sieben gewonnene Zweikämpfe, sechs Balleroberungen – und das alles in einem einzigen Halbspiel. Die Statistik wirkt wie ein Fäustling ins Gesicht derer, die ihn bislang nur als Ergänzung sahen.
Die lorenzo-falle
Néstor Lorenzo hatte Puerta ursprünglich als Joker eingeplant, jemand, der in den letzten 20 Minuten Stabilität bringt. Jetzt steht er vor der Frage: riskiere ich die Doppel-Sechs aus Ríos und Lerma oder gehe ich auf das unbekannte Talent, das bereits gegen Neuseeland in seinem Debüt traf?
Die Antwort könnte das Turnier entscheiden. Denn Puertas größte Stärke ist seine Schnittstellen-Funktion. Er gewinnt den Ball tief, dreht sofort und trägt ihn in die letzte Reihe – eine Qualität, die gegen Uzbekistans kompakten Block goldwert sein wird.

Kampf um platz eins
Richard Ríos spürt den Atem im Nacken. Der Palmeiras-Profi lieferte zuletzt beim 3:1 gegen Costa Rica eine solide, aber unauffällige Vorstellung. Puerta hingegen kam, sah und spielte jeden Pass mit der Selbstverständlichkeit eines Veteranen. Der interne Wettbewerb ist längst kein Schaulaufen mehr.
„Er hat eine ruhige Aggressivität“, sagte Lorenzo nach dem Jordanien-Spiel. Kein Lob, das der Kolumbianer oft verteilt. Dahinter steckt mehr als Höflichkeit – es ist die Anerkennung eines Trainers, der seine Startelf über Nacht umkrempeln könnte.

Deutschland, pass auf
Wenn Puerta am 15. Juli in New York aufläuft, wird die ganze Liga schauen. Denn die Scouts von Bayern, Leipzig und Leverkusen sind bereits in San Diego campiert. Der Junge, der vor einem Jahr noch in der U-20 riss, könnte nach dem Turnier direkt in die Champions League wechseln.
Colombia hat eine neue Ikone – und die kommt gerade rechtzeitig. Denn nach dem James-Rodríguez-Zyklus braucht die Tricolor einen neuen Hoffnungsträger. Puerta trägt nicht nur das Talent, sondern auch die Unbekümmertheit, um ein ganzes Land zu elektrisieren.
Die WM startet in elf Tagen. Für Puarta könnte sie heute schon begonnen haben.
