Psg zittert vor chelsea: titelverteidigung auf messers schneide

Paris hat den Henkelpott, aber keine Frische. Nach 17 Monaten ohne Pause wirkt der Champions-League-Sieger wie ein Boxer, der in die nächste Runde schwankt, bevor die Beine die letzte Ruhe gefunden haben. Mittwoch, 21 Uhr, Stamford Bridge: Dort entscheidet sich, ob die Pariser ihren Traum von der Titelverteidigung bereits im Achtelfinale begraben.

Kein neuzugang außer zabarnyi – und plötzlich fehlt hakimi

Die Sommer-Rechnung war kühl kalkuliert: 103 Millionen Euro für drei Spieler, Ende der Geschichte. Illya Zabarnyi sollte die Abwehr stabilisieren, doch auf der rechten Seite blieb eine Leere. Achraf Hakimi, einst Turbo und Tor-Garant, tapst seit Wochen durch Ermittlungsakten und Afrika-Cup-Kater. Ohne Backup. „Das ist keine Rotation, das ist Roulette“, sagt Bernard Lama, der Ex-Keeper, und meint damit das Loch, durch das Monaco am Freitag drei Mal traf.

Die Zahlen sind hart: In den letzten sieben Pflichtspielen kassierte PSG zwölf Gegentore, dreimal gab es keinen Sieg. Die Ligue-1-Führung schrumpfte auf zwei Punkte, und im Pokal flog der Titel bereits gegen den Stadtrivalen Paris FC. Die Maschine stottert, weil Luis Enrique auf Selbstheilung setzte – auf einen Kader, der seit 113 Tagen keine Pause kannte.

Enrique setzte auf chemie statt transfers – und verlor die wette

Enrique setzte auf chemie statt transfers – und verlor die wette

Der Trainer wollte keine neuen Gesichter, sondern „fröhliche Jungs mit Hunger“. Das klang im Juli nach DNA des Erfolgs, im März nach Selbsttäuschung. Denn Hunger lässt sich nicht vertragsverlängern, wenn die Knochen schreien. Die Vorbereitung war ein Wochenendtrip, acht Tage, dann ging’s um Supercups auf drei Kontinenten. Tottenham, Flamengo, Marseille – alles eingesackt, alles glänzend, alles verbraucht.

Nun steht das Team vor dem Spiegel: Chelsea wartet mit einem Re-Start-Image, PSG mit einem Reset-Zwang. Die Buchmacher sehen die Franzosen dennoch leicht favorisiert, weil die Kader-Qualität noch immer nach Galaktischen riecht. Doch Qualität ohne Frische ist ein teurer Schaukeltisch: er sieht gut aus, bewegt sich aber nicht.

Die champions league als selbstheilungs-sprint

Jérémy Ménez erinnert sich an die DNA von 2011: „Erfolgsbesessen und gierig.“ Diese DNA kann sich in 90 Minuten reaktivieren, sagt er, weil die Musik des Achtelfinals alte Knochen jünger macht. Das ist die letzte Hoffnung für einen Klub, der außerhalb Europas alles gewann, innerhalb aber gerade alles verliert – Selbstvertrauen, Kompaktheit, den Rhythmus des Unbesiegbaren.

103 Millionen Euro, drei Neuzugänge, null Ersatz für Hakimi. Die Bilanz ist ein Spiegel der Arroganz, die glaubte, Talent könne Ermüdung ersetzen. Dabei winkt am Horizont Budapest: 30. Mai, Finale. Wer dort stehen will, muss heute in London erste Beweise liefern. PSG hat 180 Minuten, um die Müdigkeit abzustreifen – oder die Ära endet mit demselben Sommer, in dem sie eigentlich erst richtig beginnen sollte.