Protesoni bleibt: der mann, der seinen koffer nicht packte

Carlos Protesoni war der Einzige. Während seine beiden Mitspieler am 30. Juni das Trainingsgelände von Mendizorroza verließen, stand der Uruguayer noch da. Ohne Vertrag. Ohne Sicherheit. Aber mit einer Entscheidung, die selten geworden ist im modernen Fußball: Er wollte bleiben.

Zwei jahre, die aus dem herzen kamen

Die Verlängerung über zwei weitere Saisons ist besiegelt. Sergio Fernández, Sportdirektor des Deportivo Alavés, sichert sich damit einen Spieler, der in Vitoria mehr ist als ein Mittelfeldstratege. Die Fans lieben ihn. Quique Sánchez Flores schätzt ihn. Und Protesoni selbst? Er hat nie daran gezweifelt.

„Ich wollte nie weg“, sagte er am Mittwoch in der Pressekonferenz. Die Stimme klang ruhig, fast überrascht über die Frage. „Als die Saison endete, habe ich trotz auslaufenden Vertrags meinen Koffer nicht gepackt. Die Entscheidung mit meiner Familie war das Fundament für alles Weitere.“

Die stimme, die zählte

Die stimme, die zählte

Was niemand wusste: Ein Telefonat im Februar veränderte den Lauf der Dinge. Quique war gerade angekommen, der neue Trainer mit den nervösen Händen und dem Blick für Details. Er suchte Protesoni auf. „Wir hatten ein Gespräch, in dem er mir enormes Vertragen entgegenbrachte. Das hat meine Entscheidung maßgeblich beeinflusst.“

Vertrauen. Ein Wort, das im Transferkarussell der La Liga schnell verblasst. Bei Protesoni nicht. Der 28-Jährige spricht von seinen Teamkollegen wie von Brüdern: „Die Jungs hier zu haben ist ein Privileg. Ich liebe sie und würde für jeden Einzelnen durchs Feuer gehen.“

Die emotionale Bindung ist keine Floskel. Sie hat ein Gesicht: die verletzte Saison, die hinter ihm liegt. Muskelprobleme, Rückschläge, die Unfähigkeit, sich einen Stammplatz zu erkämpfen. „Wir sind immer am Limit“, gibt er zu. „Letzte Saison gab es Rückschläge. Aber wir arbeiten intensiv daran, Verletzungen zu vermeiden. Der Kopf spielt dabei eine enorme Rolle. Wenn man glücklich ist, verändert sich die Perspektive.“

Der körper als projekt

Der körper als projekt

Protesoni hat umgebaut. Präventives Training, neue Ernährungspläne, kleine Rituelle, die den Unterschied machen könnten. „Ich suche nach Lösungen, das Risiko zu minimieren“, sagt er. Kein Selbstmitleid, nur Pragmatismus. Der Charrua, wie die Uruguayer genannt werden, kennt die Härte des Geschäfts.

Auf dem Platz soll sich das bezahlt machen. „Mit dem Kader, den wir haben, können wir weniger leiden“, prognostiziert er den kommenden Kampf gegen den Abstieg. Ein weiterer Schritt nach oben, das ist das Ziel. „Hoffentlich machen wir dieses Jahr einen kleinen Sprung und beenden die Saison entspannter.“

Die Kontinuität wird dabei entscheidend sein. Viele Gesichter bleiben, neue kommen dazu. „Der Markt ist volatil, viele Dinge können passieren. Aber unsere Einheit ist unsere Stärke“, betont Protesoni. Die Chemie im Kader, das Vertrauen untereinander – das lässt sich nicht kaufen.

Die Fans in Mendizorroza werden ihn wiedersehen. Den Mann, der seinen Koffer nicht packte, der auf das Telefonat wartete, der für seine Teamkollegen durchs Feuer geht. „In Vitoria fühle ich mich wie zu Hause“, sagt er. Nach all den Jahren ist das kein Kompliment mehr. Es ist eine Tatsache.