Pogacar startet ohne seinen schattenmann – strade bianche droht erste lücke
Tadej Pogacar fliegt am Samstag nach Siena, doch im Gepäck fehlt ein Stück Sicherheit. Tim Wellens, der Mann, der ihn in jedem Schottersektor wie ein Airbag umgibt, sitzt zu Hause und starrt auf eine Röntgenplatte. Schlüsselbeinbruch. Saison-Aus. Frühjahr vorbei, bevor es richtig begann.
Der belgier, der pogacars ego abfedert
Wellens ist kein Wasserträger, er ist Pogacars Wetterschutz. Seit 2021 lenkt er den Slowen durch Windschiefenheiten auf Kopfsteinpflaster, schaltet bei 55 km/h den Turbo, wenn die Konkurrenz noch in den Startlöchern zögert. Ohne ihn wird die Befreiungsaktion auf den 64 Kilometern weißer Staubstraßen zur Solo-Nummer. UAE-Teamchef Matxin Fernandez muss neu justieren: Isaac del Toro darf nicht nur fahren, er muss reifen.
Die Startliste liest sich wie ein Krimi. Wout van Aert, Tom Pidcock, Thymen Arensman – alle haben sie 2025 noch mit angesehen, wie Pogacar nach Sturz und Bandscheibenschmerz trotzdem wegfuhr. Nun wittern sie Blut. Die Streckenposten haben zwei Schotteretappen gestrichen, aber die verbliebenen neun reichen, um Reifen zu zerfetzen und Seelen zu brechen.

2022, 2024, 2025 – Die serie lebt
Drei Siege in den letzten vier Auflagen, davon zwei mit gebrochenem Rücken und einem Hodeneierschock. Pogacar spricht von „unvergesslichen Erinnerungen“, meint aber: Er will sie verlängern, nicht konservieren. Die Buchmacher zahlen auf seinen Sieg nur 1,85 – das ist keine Wette mehr, das ist Erwartungshaltung. Wer ihm die Show vermasselt, kassiert Kult-Status plus 20.000 Euro Prämie.
Samstag, 11:35 Uhr, Piazza del Campo. 203 Kilometer, 3.700 Höhenmeter, 64 Kilometer Schotter. Pogacar wird ohne den Belgier starten, der ihn sonst durch die Wolken der Staubwolke lotst. Dafür mit dem Gedächtnis an drei Siege und dem Druck eines vierten. Wenn er wieder fällt, bleibt diesmal kein Helfer zurück, der ihn hochzieht. Dann muss er sich selbst wiederfinden – oder zum ersten Mal seit 2021 in Siena untergehen.
