Pogacar spielt roubaix-angst ein: sein sturz-sieg in sanremo war erst der anfang
Er stürzte. Stand auf. Und machte die Königsdisziplin der Radklassiker zu seiner Bühne. Tadej Pogacars Sieg bei der Milano-Sanremo war kein Rennbericht, sondern ein Vier-Akt-Drama, das sogar Eddy Merckx zum Schweigen brachte.
Ein sturz, der ihn nicht stoppte
Die Cipressa war noch zu fahren, als Pogacar rutschte. Asphalt in den Knien, Blut am Ellbogen – für normale Fahrer ein Rennende. Er jedoch wechselte das Rad, fuhr 50 Sekunden hinterher und jagte sich mit kalter Wut zurück ins Feld. „Das war keine Aufholjagd, das war eine Machtdemonstration“, sagte Merckx, der den TV-Dialog mit sich selbst beendete, nur um diesen Satz rauszuhauen.
Der zweite Akt folgte auf dem Poggio. Van der Poel – dessen Name seit letztem Jahr mit dem Begriff „Endspurt“ verschmolzen ist – spürte plötzlich die Luft von Pogacars Atem. Der Niederländer zog an, aber der Sloane schaltete einen Gang höher und zog weg. Kein Wheel, kein Zögern. „Ich dachte, er würde platzen. Er dachte, ich würde warten. Er irrte sich“, sagte Pogacar später, als hätte er die Gedanken seines Rivalen gelesen.

Die abfahrt, die niemand erwartete
Der dritte Akt war die Abfahrt. Tom Pidcock, Mountainbike-Olympiasieger, gilt als König der 90-Grad-Kurven. Er schoss wie ein Gummiball durch die Serpentinen. Pogacar folgte ihm, als wäre er an der Kette des Engländers befestigt. „Ich habe ihn nie mehr als zwei Meter weg gesehen“, sagte Pidcock nach dem Ziel und klang wie ein Lehrer, der merkt, dass der Schüler den Lehrplan überholt hat.
Der vierte Akt war der Sprint. Nicht auf der Via Roma, sondern auf ihrer Erinnerung. Pogacar setzte 220 Meter vor dem Ziel zum Schlag an, Van der Poel reagierte, aber die Lücke blieb. Die Uhr stoppte bei 6:23,42 Stunden. Die Statistik stoppte bei einem Fakt: Erstmals seit 1984 gewann ein Fahrer die Sanremo mit nur einem Vorbereitungsrennen in den Beinen – damals war es Francesco Moser, heute ist es der Mann, der mit 25 Jahren schon elf Monuments auf dem Konto hat.

Roubaix liegt jetzt in reichweite
Merckx’ Tipp für den 12. April: „Er muss nur Glück auf dem Pflaster haben.“ Pogacar selbst lachte nur: „Ich habe jetzt genug Glück für ein ganzes Jahr verbraucht.“ Die Wette läuft bereits. Die Buchmacher senken seine Roubaix-Quote von 8,0 auf 3,5. Die Franzosen fürchten sich. Die Flandern-Flaggen werden bereits in seinem Haus in Monaco gehisst – nicht als Provokation, sondern als Vorbereitung.
Die Saison ist zwei Monate alt, und Pogacar hat schon wieder einen Gipfel erklommen. Die Frage ist nicht, ob er Paris-Roubaix gewinnt. Die Frage ist, ob er danach noch Lust auf den Giro hat. Die Antwort wird er selbst geben – auf asphaltierten Straßen, auf Pflaster oder auf dem Mond. Der Mann trägt keine Grenzen mehr in der Tasche, sondern nur noch Startnummern.
