Pogacar schreibt geschichte: liege-sieg nummer vier!
Tadej Pogacar. Dieser Name hallt in der Welt des Radsports immer lauter wider. Nicht mehr kämpft er nur gegen seine Rivalen, sondern gegen die Legenden der Vergangenheit. Sein Sieg bei Liège-Bastogne-Liège am Sonntag ist ein weiteres Kapitel in einer Karriere, die bereits jetzt in Gold geschrieben steht – und die Frage aufwirft: Wo steht Pogacar in fünf Jahren?
Die decana beugt sich dem slovenen
Die „Klassiker der Klassiker“, die älteste Etappe im Radsportkalender, Liège-Bastogne-Liège, ist erneut unter Pogacars Dominanz gebrochen. Mit seinem vierten Sieg in der Decana hat er seinen Namen endgültig in die Annalen des Radsports eingegraviert und seine Gesamtzahl an Monumenten auf beeindruckende 13 erhöht. Ein Statement, das in der Radsportwelt für Furore sorgt. Die Konkurrenz wirkt angesichts dieser Zahlen fast schon hilflos.
Doch dieser Sieg hatte mehr zu bieten als nur die Bestätigung der aktuellen Überlegenheit. Er offenbarte auch eine neue Generation, die sich Pogacar ebenbürtig stellen will. Paul Seixas, ein gerade 19 Jahre junger Franzose, hielt dem Angriff des Weltmeisters bis zur Redoute stand. Ein Moment, der Pogacar selbst sichtlich beeindruckte. „Ich war auf dem Höhepunkt, aber ich konnte sehen, dass Seixas nahe war“, gestand Pogacar nach dem Rennen. „Es motiviert, wenn man sieht, wie ein so junger Fahrer mit solch einer Kraft in eine so starke Gruppe einsteigt.“

Die jagd nach merckx: pogacars monumenten-marathon
Pogacar verfolgt nicht nur Rivalen, sondern eine Karriere parallel zum modernen Radsport – die Jagd nach den Monumenten. Er hat Milan-San Remo, Flandern, Liege und Lombardei bereits für sich entschieden. Nur Paris-Roubaix fehlt noch in seiner Sammlung, die sogenannte „Hölle des Nordens“. Dort scheiterte er bislang, aber Pogacar hat bewiesen, dass er sich anpasst, lernt und stärker zurückkommt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch dieser Fluch gebrochen ist.
Nur drei Namen stehen vor Pogacar in der ewigen Bestenliste der Monumente: Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck und Rik Van Looy. Diese Namen sind Synonyme für Größe und Unbesiegbarkeit. Pogacar nähert sich diesem illustren Kreis mit einer Geschwindigkeit, die beängstigend ist. Er hat bereits drei Monumente bis 2026 gewonnen und schließt die Lücke zu den Legenden immer weiter.
Die Vergleiche mit Mathieu van der Poel sind unausweichlich, beide haben die Monumente zu ihrem Terrain erklärt. Van der Poel ist der König des Pflasters, der Mann hinter Roubaix, Flandern und San Remo. Pogacar hingegen ist etwas anderes: ein kompletter Radfahrer. Er triumphiert in den italienischen Frühlingswochen, an den flämischen Mauern, in den ardennischen Anstiegen und im lombardischen Herbst. Er klettert wie ein Bergfahrer, greift an wie ein Klassikerspezialist, vollendet wie ein Raubtier und kämpft mit einer Gier, die an Epochen erinnert, in denen Champions nicht wählten, sondern einfach gewannen.
Liege verstärkte diese Idee. Evenepoel versuchte es früh, 35 Kilometer vor dem Ziel bei La Redoute. Der Schachzug schien das Rennen zu entfachen, doch Pogacar hatte den Plan in seinem Kopf. Als er Gas gab, fand nur Seixas eine Antwort. Für einige Kilometer verwandelte sich das Rennen in eine Generationenübergabe: der absolute Champion und der Junge, der noch keine Angst kennt. Doch bei La Roche-aux-Faucons kehrte die Hierarchie zurück. Pogacar drückte, Seixas gab nach, und die Welt erlangte ihre gewohnte Ordnung zurück.
Er gewann mit Autorität, 45 Sekunden vor Seixas und fast zwei Minuten vor Evenepoel. Sein vierter Sieg in Liège reiht ihn gleich neben Alejandro Valverde und Moreno Argentin, nur noch einen Sieg hinter dem Rekord von Eddy Merckx. In der Decana jagt er nicht mehr Rivalen, sondern Statuen.
Die Monumente sind Pogacars große Obsession. Der fehlende Stein, der eine außergewöhnliche Sammlung zu einer perfekten macht. Bis zu diesem Tag wird Pogacar weiterhin Frühlinge sammeln, Referenzen niederreißen und verstohlen zu Merckx blicken. Die Zahlen lügen nicht: 13 Monumente. Ein Rennen gegen die Geschichte, das Pogacar mit jeder neuen Saison gewinnt.
