Pogacar jagt merckx: die monumente 2026 liefern die nächste krönung
Mathieu van der Poel quetscht die Zahnkränze, Tadej Pogacar schraubt die Bestmarken. Die fünf Monumente der Saison 2026 stehen vor der Tür – und keiner weiß besser als Christian Schneider, warum die 300 Kilometer von Mailand nach Sanremo am 21. März nur der Auftakt eines historischen Trips sind.
Merckx’ ewige marke wackelt
18 Monumente-Siege hält Eddy Merckx seit einem halben Jahrhundert. Pogacar hat nach seinem Sweep 2025 bereits neun. Die Rechnung ist simpel: Gewinnt der Slowene 2026 erneut in Flandern, Roubaix, Lüttich und Lombardei, steht er bei 13. Die Jagd auf den „Cannibale“ ist längst kein frommer Wunsch mehr, sondern eine realistische Staffelübergabe. Die Belgier mögen’s nicht hören, aber die Zahlen lügen nicht: In den letzten drei Jahren verpasste Pogacar genau eine Monument-Teilnahme – und das nur, weil er mit Grippe im Bett lag.
Deutschland blickt auf einen trockenen Tropfen: John Degenkolbs Roubaix-Triumph von 2015 bleibt die jüngere deutsche Monument-Referenz. Seitdem rütteln Steffen Wesemanns Flandern-Sieg von 2004 und Dietrich Thuraus Lüttier-Einstand von 1979 an der Nostalgie, aber nicht an der Statistik. Die deutschen Sprinter haben sich in Sanremo verlaufen, die Kletterer in den Ardennen vermisst. Kein deutscher Fahrer ist im Top-10-Betting für 2026 gelistet – ein Armutszeugnis für die einstige Radsport-Nation.

Die waffen der giganten
Van der Poel fährt seinen Cross-Background entgegen, Pogacar nutzt die Gebirgsmaschine UAE. Die Niederländer bringt die Explosion, der Slowene die Dauerhaft. Beide haben verstanden, dass die Monumente nicht mehr nur auf Kraft, sondern auf Daten beruhen: Wer wo abreißt, welches Pflaster die Reifen spart, wann der Windschatten zehn Watt einspart. Die Teams haben ganze Abteilungen für „Pavé-Aerodynamik“ und „Kopfstein-Rollwiderstand“ – früher war das Reifenklopfen, heute ist es Wissenschaft.
Die Organisatoren ziehen nach: Länger, schwerer, brutaler. Sanremos 300 km sind nur der Anfang, Roubaix fügt 2,5 zusätzliche Pflasterkilometer ein, Lombardei erhält eine neue Schlussschleife mit 14-prozentiger Rampe. Die Rennen werden nicht nur schneller – sie werden länger leidend. Die TV-Quoten steigen, die Überlebensrate der Fahrer sinkt. Ein Zirkus, der sich selbst frisst.

Der countdown läuft
In 72 Stunden startet die „Classicissima“ an der Via della Chiesa. Die Buchmacher sehen Pogacar bei 2,2:1 – ein Wert, der früher für Frevel galt. Van der Poel liegt bei 3,4:1, der Rest des Feldes dahinter wie hinter einem Vorhang. Die Deutsche Trikot- Hoffnung Pascal Ackermann wird nicht einmal genannt; das sagt alles.
Am Ende der Saison wird ein Fahrer fünf Mal in die Geschichtsbücher klettern – oder die Statistik bekommt neue Risse. Merckx’ Rekord ist kein Denkmal mehr, sondern ein Zeitstrahl, der sich Sekunde um Sekunde verflüchtigt. Das nächste Monument beginnt, die Uhr tickt. Und Deutschland schaut wieder nur zu.
