Pieckenhagen zieht notbremse: glibo raus, ofc rudert auf rang 14

Kristjan Glibo ist weg – nach 187 Tagen. Kickers Offenbach lösten den Vertrag des Trainers am Montag auf, während die Mannschaft auf dem ersten Abstiegsplatz der Regionalliga Südwest klebt. Geschäftsführer Martin Pieckenhagen rechtfertigt den Ruck mit zwei verschenkten Siegen und einem Satz, der im Verein schon wieder wie ein Mantra klingt: „Wir konnten nicht tatenlos danebenstehen.“

Die talfahrt begann schon in der winterpause

Ein 2:0 in Steinbach Haiger, das in ein 2:3 endete. Ein 1:1 in Homburg, das wie eine Niederlage schmeckte. Pieckenhagen zählt die Punkte auf, die zwischen Dezember und März durch die Lappen gingen, und liefert die nüchterne Bilanz: „Viele Parallelen zur Hinrunde.“ Der OFC hat seit November nur noch zweimal gewonnen, die Tabellenlage spricht Klartext: 14. Platz, 26 Punkte, Torverhältnis 29:36. Die Fans hatten schon im Winter „Glibo raus“ skandiert, doch der Manager gab dem Coach damals noch eine Schonfrist. Jetzt ist Schluss mit Geduld.

Was folgte, war ein innerer Rückzug. Glibo ging auf Distanz, nahm Journalisten kaum noch mit in den Mixed-Zone-Kreis. Es ist dieselbe Eiszeit, die schon seinen Vorgänger Christian Neidhart erfasste – und dessen Ende ähnlich abrupt war. Pieckenhagen bestätigt, dass sich Glibo „verändert“ habe. Die Kommunikation sei „angespannt“, die Stimmung „nicht mehr konstruktiv“. Wer im OFC nicht redet, fliegt. Das ist Tradition.

Die suche nach dem nächsten „wohnwagen“ läuft

Die suche nach dem nächsten „wohnwagen“ läuft

Pieckenhagen schickt sein Netzwerk voran. „Ich spreche das ganze Jahr mit Trainern“, sagt er, „egal ob Bedarf besteht oder nicht.“ Die Aussage klingt wie ein Seitenhieb auf die Vorstandsetage, die ihm im Sommer 2025 noch monierte, zu langsam zu sein. Nun will er „zeitnah“ einen Nachfolger präsentieren – zwei Wochen seien okay, zwei Monate „und die Saison ist vorbei“. Bis dahin regieren Interimscoaches: Co-Trainer Nils Hoeft, Torwarttrainer Marco Weiß und Athletikchef Timo Lenz bilden ein Triumvirat, das die Mannschaft auf Schlesien Dresden und den anschließenden Pokal-Kracher gegen Eintracht Frankfurt vorbereitet.

Der OFC spielt nicht nur gegen Gegner, sondern auch gegen die Uhr. Noch sieben Spiele bis Mai, dann entscheidet sich, ob Kickers Offenbach in der Regionalliga bleibt oder im Lotto der Abstiegsendspiele landet. Pieckenhagen will „einen Impuls setzen“. Ob der neue Mann diesen Impuls liefert, wird sich zeigen. Fest steht: In Offenbach ist die Halbwertszeit eines Trainers länger als die eines Headcoachs – aber nur um wenige Tage.