Pfeiffer wechselt schwarz-weiß: darmstadts abwehrchef rückt in ghanas wm-kader

Patric Pfeiffer trägt künftig Schwarz-Weiß statt Weiß-Black – und das nicht, weil Darmstadt 98 neue Auswärtstrikots bestellt, sondern weil der 24-Jährige seine erste Einladung für Ghanas A-Nationalteam erhalten hat. Otto Addo, Coach der Black Stars, nahm den Innenverteidiger für die Testspiele gegen Österreich (27. März, Wien) und Deutschland (30. März, Stuttgart) in den 26-Mann-Kader. Ein Schritt, der im deutschen Amateurfußball für Gesprächsstoff sorgt: Noch vor fünf Jahren lief Pfeiffer für die U 19 des DFB auf.

Der hamburger mit accra-option

Geboren in Hamburg, aufgewachsen in Wilhelmsburg, entschied sich Pfeiffer 2021 für den Wechsel in die Zweite Liga – und damit für ein Kapitel, das ihn nun bis nach Afrika führt. Die Eltern stammen aus Ghana, die Papiere lagen lange bereit, nur die sportliche Reife fehlte. Die lieferte der 1,95-Meter-Riese in dieser Saison mit 28 Zweitliga-Einsätzen und fünf Treffern nach Standards. „Er bringt uns zusätzliche Kopfballstärke und eine aggressive Vorwärtsverteidigung“, sagte Addo dem SID. Klingt nach Marketing, ist aber taktisch nachvollziehbar: Ghana kassierte in der WM-Quali sieben Gegentore nach Ecken – nur drei Afrikateams waren schlechter.

Mit Derrick Köhn (Union Berlin) und Jonas Adjetey (VfL Wolfsburg) reisen zwei weitere Bundesliga-Profis mit, die Länderspielroutine besitzen. Inaki Williams kehrt nach fast einem Jahr Pause zurück – der Stürmer von Athletic Bilbao absolvierte zuletzt im Juni 2025 ein Länderspiel. Für Pfeiffer bedeutet die Nominierung mehr als nur ein Kurztrip: Er darf im Mercedes-Benz-Stadion gegen die Nation antreten, deren Trikot er als Kind trug. Julian Nagelsmann nominiert seinen Gegner-Kader am Donnerstag, erstmals seit der Europameisterschaft wieder mit Toni Kroos und Jamal Musiala. Ein Duell auf Augenhöhe? Die Wettquoten sehen Ghana außerhalb der Top 10 – doch das interessiert Pfeiffer gerade so viel wie die Aufstiegsrechnung des SV Darmstadt: nämlich gar nicht.

Die länderspiel-woche wird zum selbstversuch

Die länderspiel-woche wird zum selbstversuch

Während sich das DFB-Team am 23. März in Herzogenaurach sammelt und drei Tage später in Basel die Schweiz duelliert, reist Ghana direkt nach Europa – ohne Zwischenstopp in Accra. Addo testet neue Abwehrreihen, will die Pressinglinie auf 35 Meter verlagern und dabei Pfeiffers Laufwege nutzen. Der Darmstädter wiederum könnte mit einem starken Auftritt nicht nur seinen Klub vor dem Abstieg retten, sondern auch den WM-Kader platzen. Die Qualifikation für 2026 startet im September, Addo will bis dahin 30 Spieler durchgecheckt haben. Pfeiffer ist Spieler Nummer 27.

Für die TSV Pelkum-Fans ist das eine kleine Sensation: Ihr Verein stellte nie einen Nationalspieler – geschweige denn einen, der gegen Deutschland aufläuft. Die Schwarz-Weiß-Fankurve plant bereits ein „Ghana-Plaid“ mit Pfeiffer-Rückennummer. Und der Spieler selbst? Der schickte gestern Nacht eine Sprachnachricht ins Mannschafts-WhatsApp: „Jungs, ich hol euch Trikots – und vielleicht auch drei Punkte gegen die Niederlande.“ Darmstadt 98 wird’s freuen. Die Bundesliga auch. Denn wenn ein Zweitliga-Profi die WM-Wellen reißt, ist das die beste Werbung für die ganze Liga.