Pešić wirft gaia accoto den ball zu: „komm, coache mit mir bayern“

Ein Satz, ein Lächeln – und eine Einladung, die durch die europäische Basketball-Welt hallt. Als Gaia Accoto den FC-Bayern-Coach nach dem EuroLeague-Spiel in Bologna zur Seitenlinie zog, ahnte sie nicht, dass Svetislav Pešić ihr kurz darauf einen Job als Co-Trainer anbieten würde. „Ich brauche jemanden, der Zahlen liebt und Fragen stellt wie Sie“, sagte der Serbe, während hinter ihm die Bayern-Statistik aufleuchtete. Die 33-jährige Italienerin lachte, verneigte sich leicht – und bewies damit, dass Kompetenz auf dem Parkett genauso laut schreit wie ein Dunking.

Zufall? eher ein lehrstück über vorbereitung

Accoto hat keine Filterblase. Sie studiert Spielzüge, kennt die Pick-and-Roll-Effizienz von Olympiacos ebenso gut wie die Freiwurf-Quote von Bayern in der letzten Viertelstunde. Ihre Frage nach der Defensiv-Rotation brachte Pešić zum Strahlen. „Er merkt sofort, wenn jemand recherchiert statt paraphrasiert“, sagt sie im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. Genau das unterscheidet sie von vielen Kollegen, die lieber über Emotionen sprechen statt über Effizienz.

Die Einladung nach München folgte zwei Tage später in Mailand. Pešić: „Bringen Sie Ihr Statistik-Buch mit, dann schauen wir uns die Play-offs gemeinsam an.“ Accoto hat noch kein offizielles Ticket erhalten, doch sie plant bereits ihre Reise. „Ich will sehen, wie Paul Zipser sich im High-Post bewegt, wenn Nick Weiler-Babb die Help-Side verzögert. Das lernt man nicht im Fernsehen“, erklärt sie und klingt dabei wie eine Scoutin, die zufällig ein Mikrofon trägt.

Warum bayern die bbl dominiert, in der euroleague aber stolpert

Warum bayern die bbl dominiert, in der euroleague aber stolpert

Accoto nimmt kein Blatt vor den Mund. „In der Bundesliga spielt Bayern mit dem Druckmesser in der Hand. Die Gegner reagieren, sie agieren nicht.“ In der EuroLeague dagegen trifft der Rekordmeister auf Teams, die sich nicht einschüchtern lassen. „Anadolu Efes und Real Madrid bauen Roster mit zehn Rotationsspielern, die alle 35 Minuten gehen können. Bayern arbeitet mit acht Leuten auf Top-Niveau. Das reicht für nationale Titel, aber nicht für die Top-Acht im Mai“, analysiert sie. Die Lösung? Mehr Minuten für Andreas Obst und einen zusätzlichen Ball-Handler, der neben Cassius Winston die Tempo-Schaltung übernimmt.

Sie erinnert sich an ein Gespräch mit Ettore Messina, in dem der italienische Hall-of-Fame-Coach betonte: „Wenn du in der EuroLeague einen Fehler machst, bestraft dich der Gegner dreimal. In der Liga nur einmal.“ Genau diese Lücke sieht Accoto auch bei Bayern. „Die Qualität der Gegner ist höher, die Shot-Clock tickt schneller im Kopf der Spieler.“

Vom schwimmbecken zur seitenlinie

Vom schwimmbecken zur seitenlinie

Dass Accoto Sport im Blut hat, liegt an ihrer Mutter. Claudia war 1984 in Los Angeles als Schwimmerin im italienischen Team. „Sie lehrte mich, dass Disziplin keine Einschränkung, sondern eine Freiheitslizenz ist“, erzählt die Reporterin. Diese Haltung spiegelt sich in ihren Fragen wider: präzise, kurz, immer mit einem Cliffhanger. Pešić mag das. „Er hasst lange Vorspanns, liebt Fakten“, sagt Accoto und lacht.

Ob sie jemals tatsächlich auf der Bank sitzt? „Ich bin Journalistin, keine Trainerin. Aber wenn mich jemand fragt, warum Bayern in der EuroLeague scheitert, werde ich meine Meinung nicht hinter dem Mikrofon verstecken.“ Und damit endet das Gespräch – nicht mit einem „Wird sie kommen?“, sondern mit der Gewissheit, dass Gaia Accoto schon längst angekommen ist: als Stimme, die zählt, und als Analystin, die auch Coaches nervös macht.