Personalkrise in new jersey: nagelsmann vor zwangstausch im wm-finale?
Winston-Salem – Ein Schatten liegt über die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf das vermeintlich bedeutungslose Gruppenspiel gegen Ecuador. Nathaniel Brown, der Frankfurter Linksverteidiger, musste das Abschlusstraining verletzungstechnisch bedingt vorzeitig beenden. Das wirft ernsthafte Fragen nach seiner Einsatzfähigkeit im WM-Finale auf und zwingt Bundestrainer Julian Nagelsmann möglicherweise zu einer ungewollten Umstrukturierung seiner Abwehr.
Raum rückt nach
Die Bilder vom Mittwochvormittag im Spry Soccer Stadium waren wenig erfreulich: Statt mit der Mannschaft zu trainieren, absolvierte Brown lediglich ein leichtes Lauftraining unter Anleitung von Athletikcoach Krunoslav Banovcic. Das deutet stark auf eine Verletzung hin, deren Schweregrad noch unklar ist. Als direkter Ersatz steht David Raum bereit, der seinen Stammplatz vor dem Turnier Brown überlassen musste. Ein Wechsel, der die Aufstellung der DFB-Elf auf zwei Positionen verändern wird, denn auch Nico Schlotterbeck fällt weiterhin aufgrund seiner Innenbandverletzung aus, wodurch Antonio Rüdiger ins Abwehrzentrum rückt und an der Seite von Jonathan Tah spielt.
Das Training selbst verlief trotz des Regens der Vortage unter strahlendem Sonnenschein. Der übliche Jonglierkreis mit Pascal Groß und Maximilian Beier startete wie gewohnt, ebenso das Stuttgarter Trio mit Deniz Undav, Angelo Stiller und Jamie Leweling. Manuel Neuer zeigte sich entspannt, während er den Ball hochhielt. Doch die Atmosphäre war von einer gewissen Anspannung geprägt, spürbar auch bei Bundestrainer Nagelsmann, der die Situation um Brown offensichtlich ernst nimmt.

Reise nach newark und pressekonferenz
Sportlich gesehen ist das Duell gegen Ecuador für die deutsche Mannschaft bereits bedeutungslos, da der Einzug ins Achtelfinale bereits feststeht. Dennoch gilt es, einen positiven Abschluss der Gruppenphase zu finden und die Marschroute für die kommenden Aufgaben zu definieren. Nach dem Mittagessen erfolgt am Nachmittag der Abflug von Smith Reynolds Airport zum etwas mehr als 700 Kilometer entfernten Newark. Die Reise im FIFA-Charterflieger dauert rund eine Stunde und 15 Minuten. Das Team wird im MC, Autograph Collection Montclair Unterkunft finden.
Vor dem Abflug stehen noch die obligatorischen Pressekonferenzen an, bei denen Julian Nagelsmann und der überraschende Joker Deniz Undav den Fragen der Journalisten begegnen werden. Das Spiel findet im Finalstadion von East Rutherford statt, welches mit 80.663 Zuschauern das zweitgrößte der WM ist. Der deutsche Fanblock ist ausverkauft – ein Zeichen dafür, dass die Fans trotz des frühen Ausscheidens von Schlotterbeck und der möglichen Ausfälle weiterhin hinter der Mannschaft stehen. Die DFB-Elf versucht, an das Sommermärchen von 2006 anzuknüpfen, als man damals ebenfalls mit zwei Siegen in die Gruppenphase gestartet war. Miroslav Klose und Lukas Podolski besiegelten damals mit einem 3:0-Sieg gegen Ecuador den Gruppenerfolg – ebenfalls in einem Finalstadion, damals das Berliner Olympiastadion. Die Erinnerung daran dürfte den deutschen Spielern zusätzliche Motivation verleihen. Doch die Personalsituation wirft einen langen Schatten auf die Vorfreude.
