Perchtold nominiert u21-kader: rapid-duo zurück, bayern-talent dabei
Peter Perchtold zieht die Notbremse. Nach monatelanger Zitterpartie in der EM-Qualifikation hat der U21-Teamchef seinen Kader für die Doppelfront gegen Belgien und Belarus freigegeben – und setzt auf frisches Blut statt altem Eisen. Die Entscheidung fällt spät, aber sie fällt hart.
Die rückkehrer und die debütanten
Vier Abgänger, vier Rückkehrer. Das ist Perchtolds Antwort auf die Krise. Dijon Kameri poliert nach seiner Verletzungspause bei Cracovia wieder die Stiefel, Nikolaus Wurmbrand und Jakob Schöller bringen Rapid-DNA mit, David Heindl liefert Bayern-Präzision. Doch das eigentliche Statement steckt in den Neulingen: Fabian Rossdorfer vom SV Ried, Souleyman Mandey aus West Bromwich und Vasilije Markovic, der U17-Vize-Weltmeister, den kaum jemand außerhalb der Austria-Amateure auf dem Schirm hatte.
Perchtold spricht von „mutigem Auftreten“, doch hinter den Kulissen sickert durch: Der Verband will endlich den Generationenwechsel vollziehen. Die Talfahrt der letzten Länderspiele hat Spuren hinterlassen. Gegen Belgien am 27. März in Lüttich und eine Woche später gegen Belarus in Ried geht es nicht nur um Punkte, sondern um den Job des Trainers.

Die zahlen, die nerven
Seit September hat die U21 kein Pflichtspiel mehr gewonnen. Dreimal Remis, einmal Pleite – Tore nur aus Standards. Die Statistik nagt an Perchtold wie ein bissiger Terrier. Deshalb der Bogen um Routiniers wie Nikolas Sattlberger (18 Einsätze) und Samson Baidoo (15), der trotz Ligue-1-Einsatz bei Lens noch immer auf seinen ersten Turniereinsatz wartet.
Die Torhüter-Frage bleibt offen. Matteo Bignetti (Sturm Graz) hat bislang drei Länderspiele, kassierte aber fünf Gegentore. Lukas Jungwirth (LASK) kommt auf fünf Einsätze, steht aber seit Wochen nur in der zweiten Reihe. Der dritte im Bunde, Juri Kirchmayr von der FAC, wartet auf sein Debüt – und auf sein erstes Länderspiel-Tor. Ein Paradoxon, das Perchtold nicht lösen kann.

Die stunde der wahrheit naht
In Ried wird die U21 nicht nur Belarus empfangen, sondern auch die eigene Zukunft. Das Stadion an der Gugl fasst 7.680 Zuschauer, doch die Verkaufszahlen stagnieren. Fans wollen Siege, nicht Versprechen. Perchtold weiß: „Wenn wir diese Spiele verlieren, ist die EM so weit weg wie ein Wiener Frühling im November.“
Die Kader-Bekanntgabe kam mit Verspätung, weil der Verband auf die Freigabe einiger Klubs warten musste. Besonders David Heindl musste bei Bayern München um seine Nominierung betteln – die Münchner ziehen ihre Talente nur ungern in den März-Tagen heraus. Am Ende siegte der Druck des ÖFB, doch die Verhandlungen zogen sich bis zum frühen Dienstagmorgen.
Für Vasilije Markovic ist die Einberufung ein Schlag ins Gesicht der Konkurrenz. Der 18-Jährige spielte zuletzt in der U17, war aber schon beim WM-Turnier in Indonesien der Kopf der Mannschaft. Nun darf er gegen gestandene Profis ran. „Er hat diese Chance verdient“, sagt Perchtold, doch hinter vorgehaltener Hand flüstern Scouts: „Zu früh, zu brav.“
Die U21 war einmal die Entwicklungsplattform für David Alaba, Marko Arnautović und Marcel Sabitzer. Heute ist sie ein Sorgenkind. Perchtolds letzte Chance beginnt in 18 Tagen in Lüttich. Dann zählt nur noch das Ergebnis. Die Taktik steht, die Nerven liegen blank. Österreichs Nachwuchs muss endlich liefern – sonst wird der Traum von der EM in der Slowakei zur Farce.
