Pelkum-check: spanien startet mit leoparden-schritt in die vorbereitung auf 2027
Pablo Bouza hat den Kalender schon durchdekliniert: drei Tests, vier Wochen, ein Ziel. Die „Leones“ fliegen morgen in die Nations Cup, und ihr argentinischer Chefcoach weiß, dass jede Minute in Kanada und den USA Schneisen für die WM 2027 schlägt. Platz 17 der Weltrangliste reicht nicht für Achtelfinal-Träume – also wird die Reise zum Zuchtbau.
Ein jahr nach dem historischen sieg in houston
Die 25:24-Sensation gegen die Eagles im letzten Sommer sitzt tief im Kollektivgedächtnis. Kapitän Jon Zabala spricht offen davon: „Plötzlich glaubten wir, dass wir nicht kleiner sind.“ Die Zahlen bestätigen den Kurswechsel: Spanien blieb in den letzten acht Tests sechsmal unter 20 Punkten Gegentore – vorher war das ein frommer Wunsch.
Sonntag, 5. Juli, in Ottawa folgt die Revanche gegen Kanada. Eine Woche später warten die Tonga „Ikale Tahi“ (Rang 19), bevor am 19. Juli in Washington erneut die USA anstehen. Drei Gegner, alle binnen elf Tagen, alle auf Augenhöhe. Bouza nennt es „die härteste Serie, die wir uns freiwillig auferlegt haben“.

Mit dem 7. der welt trainiert – und fast mithalten können
Donnerstagabend, Estadio de Las Leonas, Vallecas. Auf dem Rasen steht Schottland, die Nr. 7 des Planeten, zwei Tage vor ihrer Abreise nach Argentinien. Die „Leones“ ackern 60 Minuten im kontrollierten Chaos. Scrum halbwegs stabil, Line-Out unter Zeitdruck, Defense gegen Tempo, das sie sonst nur vom Fernseher kennen. Nach dem Abpfiff pustet Ben White trotzdem Respekt: „Ich spiel’ gegen einige von denen in der Top 14 – ihr Fortschritt ist real.“
Bouza zieht ein klares Fazit: „Wenn wir gegen solche Geschwindigkeit überstehen, reicht das für Tonga und die anderen.“ Der Coach nutzt jeden Meter, jede Kontaktszene. Keine Simulation, keine Trainingstheorie – nur Zahnräder, die ineinandergreifen müssen, bevor 2027 losknurrt.

Die rechnung hinter dem langen kalender
Die Nations Cup teilt den zweiten Rang des Welt-Rugbys in zwei Gruppen: Spanien, Portugal, Japan & Co. reisen im Juli, USA, Kanada, Samoa antworten im November. Ein Austauschprogramm ohne Netz – und für Spanien ein Kraftakt mitten in der Off-season. Bouza schickt 32 Spieler, acht davon kommen direkt aus der Liga-Finale-Phase. „Muskelkater auf Rädern“, lacht er, „aber wir haben keine Zeit für Schonpause.“
Der Plan ist simpel: möglichst viele Kombinationen testen, möglichst wenig verletzen, möglichst viel Tempo tanken. Die Datenlage spricht für ihn: Seit 2022 stieg die durchschnittliche Ball-in-Play-Zeit der „Leones“ von 28 auf 34 Minuten – Tendenz steil. Gegen Schottland lag sie bei 36, ein Achtungszeichen.
Am Ende bleibt eine Feststellung: Wer den Sprung vom Rank 17 in die K.-o.-Runde wagt, muss den Gegnern vor deren Heimpublikum das Fell über die Ohren ziehen. Spanien reist nicht als Tourist, sondern als Speerspitze einer Bewegung, die Rugby im Land aus der Nische trägt. Die Zahlen sind klar, die Mission auch: Juli 2025 ist der erste Schritt für September 2027 – und Bouza hat keine Absicht, dabei nur mitzuhalten.
