Pechstein übernimmt: eisschnelllauf-team unter ex-olympiasiegerin

Berlin – Ein überraschender Schritt im deutschen Eisschnelllauf: Claudia Pechstein, die fünfmalige Olympiasiegerin, wird bis zum Jahresende Bundestrainerin im Bereich Allround. Die Entscheidung kommt im Zuge anhaltender Kontroversen innerhalb des Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Verbands (DESG) und wirft Fragen nach der langfristigen Ausrichtung des Sports auf.

Nach desg-wirbel: pechstein als interimslösung

Nach desg-wirbel: pechstein als interimslösung

Die Vergabe des Postens an Pechstein, die zudem die Bundesstützpunkt-Trainerin in Inzell ist, soll vor allem Planungssicherheit gewährleisten. Der bisherige Bundestrainer, Alexis Contin, kehrt in seine Heimat Frankreich zurück, um dort die Nationalmannschaft im Blick auf die Olympischen Winterspiele 2030 zu unterstützen. Contin stand zuletzt selbst im Fokus einer Kontroverse im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen Athleten.

DESG-Präsident Matthias Große, der auch Pechsteins Lebensgefährte ist, betonte, dass die Entscheidung dem Verband Zeit verschaffe, einen ordnungsgemäßen Bewerbungsprozess durchzuführen. „Wir brauchen eine geordnete Lösung, und Claudia bringt die nötige Expertise mit“, so Große.

Die jüngsten Vorwürfe gegen die DESG-Spitze, die in einem „Sportschau“-Bericht publik wurden, haben die Gemüter erhitzt. Unregelmäßigkeiten und ein angespanntes Verhältnis zwischen Athleten und Verbandsfunktionären wurden thematisiert. Die DESG hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und zwei ARD-Journalisten mit einem Hausverbot belegt. Ob Pechsteins Amtsübernahme die Situation beruhigen kann, bleibt abzuwarten.

Neben Pechstein wird auch Andreas Kraus kommissarisch zum Bundestrainer Sprint befördert. Er wird seine bisherige Funktion als Nachwuchscoach beibehalten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Interimslösung Pechstein den deutschen Eisschnelllauf stabilisieren und neue Impulse setzen kann. Die Fans und Athleten blicken gespannt auf die bevorstehende Saison.

Die Vergabe des Postens an Pechstein wirft jedoch auch Fragen nach der Unabhängigkeit des Verbands auf, insbesondere angesichts der persönlichen Beziehung zwischen Pechstein und Große. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidungen im sportlichen Interesse des Eisschnelllaufs getroffen werden und nicht von persönlichen Präferenzen geleitet sind.