Paula botet rast sich krank zum ibu-cup-titel – und bricht danach auseinander
Eine Kristallkugel, drei Disziplinsiege – und ein Körper, der streikt. Paula Botet hat die zweite Garnitur des Weltbiathlons dominiert, doch der Preis ist hoch. „Völlig erschöpft“, sagt die 25-Jährige selbst. Ihre Saison endet nicht im Triumphgestrampel, sondern im Flüsterton der Umkleide: zu müde für Jubel, zu leer für Pläne.
Die Französin holte sich in Lake Placid den Gesamtsieg im IBU Cup – der Sprungbrett-Wettbewerb, aus dem die Spitzenathleten in den Weltcup wechseln. Doch schon seit Anfang Januar schmerzt ihre Wade. Statt Pause machte sie das Gegenteil: Sjusjøen, Minusgrad, zusätzliche Rennbelastung. „Als wir zurückkamen, habe ich nur noch gesucht, wie ich überhaupt laufen kann“, sagt Botet dem Nordic Magazine. Ihr Team probierte Tapings, Reduktion, Medikamente. Nichts half. „Es hat mich total ausgelaugt.“
Der zwischenstopp im weltcup wurde zur bruchlandung
Vor Weihnachten schob sie trotzdem die Tür zum Weltcup auf – Heimspiel in Annecy, französische Fahnen, Familie auf den Rängen. Zwei Starts, kein Top-30-Platz, Rückschub in den IBU Cup. „Nach dem Stehendschießen wusste ich, dass es wieder runtergeht“, sagt sie. Kein Drama, nur nüchterne Rechnung. Das französische Damen-Team ist das tiefste der Welt; wer hier nicht trifft, fliegt.
Der Titel ist deshalb keine Eintrittskarte, sondern ein Alarmsignal. Botet gewann Sprint und Verfolgung – und brauchte danach erst mal „normale Rückkehr“ als Codewort für: Bett statt Bike. Die Kristallkugel steht auf dem Küchentisch, nicht im Regal der Trophäen. „Ich bin mental und körperlich erschöpft“, wiederholt sie, als wolle sie sich selbst zu verstehen geben.

Der nächste angriff plant sich im sommer – wenn die beine wieder mitspielen
Frankreichs Verband feiert sie trotzdem als Lehrbuch-Beispiel: Trainingsbiss trotz Schmerz, Teamgeist trotz Niederlage. Doch die Athletin spricht lieber von „Biss, der sich rächt“. Die Saison ist vorbei, der Plan für 2025 schon geschrieben: erste Pause, dann Stützmuskulatur, Laufbandanalyse, vielleicht ein neues Schuhmodell. Der Weltcup-Kader ist das Ziel, aber nicht mehr um jeden Preis.
Botets Bilanz: 24 Rennen, drei Siege, ein Gesamtsieg – und null Trainingstage ohne Schmerz. Die Französin lieferte sich selbst ab, um zu beweisen, dass sie dazugehört. Bewiesen hat sie vor allem eins: Selbst im zweitklassigen Wettbewerb kann der Körper schon am Limit sein, wenn der Kopf nie stoppt. Jetzt heißt es: Schuhe weg, Eisbeutel an – und die Kristallkugel erst mal zurechtstellen, bevor sie rollt.
