Paris-metalldrama wird zur silber-lachnummer: schulz kassiert nachträglich zweiten platz
Ein Dopingfund, zwei Jahre Warten – und auf einmal steht Martin Schulz doch noch auf Stufe zwei. Der Leipziger Triathlet rückt nachträglich von Bronze auf Silber bei den Paralympics 2024 vor, weil der Brasilianer Ronan Nunes Cordeiro wegen anaboler Steroide disqualifiziert wurde.
Die Nachricht schlug gestern ein wie ein verlorener Schuh im Pelkumer Sportclub: Endlich offiziell, endlich Silber. Doch der Weg dorthin liest sich wie ein Anti-Doping-Lehrbuch. Bereits während des Wettkampfs in Paris flog Cordeiro durch ein positives Probe-A-Bändchen. Rückstände von Stanozolon, klassisches Muskelaufbau-Steroid. Der Verband nahm Anklage auf, der Einspruch des Brasilianers platzte jetzt vor dem Unabhängigen Tribunal des IPC. Ergebnis: Streichung, Platz zwei frei, Schulz hoch.

Moment bleibt, nur die farbe tauscht
Klingt nach Hollywood, ist aber Alltag im Behindertensport. „Ich hatte in Paris ja trotzdem meinen Medaillen-Moment“, sagt Schulz der LVZ. Silber oder Bronze – für ihn kaum ein Unterschied, weil „es schließlich kein Gold“ war. Keine Silberparty, keine Kuscheltiere, nur ein Umschlag vom Deutschen Behinderten-Sport-Bund mit der Aufforderung, die Bronze einzuschicken. Die bekommt er zurück, nur neue Farbe drauf.
Die Statistik dagegen jubelt. Leipzig feiert seinen Parade-Athleten, der seit 2012 elfmal Europameister wurde und in Tokio sowie Rio bereits Gold holte. Mit dem Silber von Paris klettert Schulz auf fünf Paralympics-Medaillen – und das alles ohne linken Unterarm, dafür mit einem Antriebsmotor, der selbst Cordeiro mit seinem verbotenen Turbo nicht schlagen konnte.
Was folgt? Erst mal Training. Der 36-Jährige will 2025 in Varese seine zwölfte Europameisterschaftswelle reiten. Und wer weiß: Vielleicht muss er dann schon wieder die Medaillenkiste umpacken. Dopingfälle haben im Triathlon eine traurige Halbwertzeit. Schulz bleibt gelassen: „Ich laufe weiter, schwimme weiter, radle weiter – der Rest ist Bürokram.“
