Pakistan-blockade bremst eisenach aus: sonnenspiel ohne sonder-trikot
Der ThSV Eisenach muss gegen die Rhein-Neckar Löwen auf seine Frühlings-Edition verzichten – weil der Iran-Konflikt die Luftbrücken lahmlegt. Die Jerseys hängen in Karachi fest, die Eisenacher starten im Retro-Look.
Tradition unterm propeller
Seit 2013 zieht der Klub zum „Sommergewinn“ ein Sonder-Trikot über, das die Sonnenfigur „Frau Sunna“ und den winterlichen „Herrn Winter“ auf die Schultern bannt. Diesmal bleibt der Look im Karton. Kempa produziert in Pakistan, die Frachtmaschine wartet seit Wochen auf Startfreigabe – ein Nebeneffekt der Eskalation am Persischen Golf. Luftraumsperren, Umleitungen, höhere Treibstoffpauschalen: Der Logistikpartner rechnet offenbar nicht mehr mit kurzfristigen Slots.
Intern gaben die Verantwortlichen sich bis Dienstag noch optimistisch: vielleicht käme noch eine Express-Charter, vielleicht könne man die Teile über Dubai umpacken. Doch die Deadline verstrich. Am Freitag zählt nur noch Plan B: klassisches Blau-Weiß, wie schon 1998, als der Verein aus der 2. Liga in die Erstklassigkeit stürmte.

Sammlerstück statt stadion-debüt
Die Order storniert Eisenach nicht. Die limitierte Auflage – 300 Stück, nummeriert, mit Goldprägung auf dem Halsausschnitt – soll später im Fanshop landen. Preis: 119 Euro. Ein Trikot, das niemals auf der Platte war, aber die Geschichte eines Krieges trägt. Das macht es zum Kult-Objekt, noch bevor es das erste Mal gewaschen wurde. Wann die Palette ankommt, kann niemand sagen. „Sobald der Luftraum wieder frei ist“, heißt es intern. Das kann morgen sein – oder im Herbst.
Silvio Heinevetter lacht, als man ihn nach der Panne fragt: „Wir sind Handballer, keine Modehäuser. Hauptsache, die Punkte bleiben in der Wartburgstadt.“ Der 41-Jährige spielte selbst in Zeiten, als Trikots noch in Herborn genäht wurden und nicht um den halben Globus flogen. „Früher gab’s zwei Sätze: Heim und Auswärts. Heute braucht man ein Trikot fürs Frühlingsfest, eins fürs Derby, eins fürs Pokal-Finale. Wenn eins ausfällt, ist das kein Weltuntergang – aber eine gute Geschichte.“
Die Rhein-Neckar Löwen reisen trotzdem an, ohne Rücksicht auf textile Defizite. Für sie zählt die Tabelle, nicht die Optik. Eisenachs Trainer Emir Hadžić sagt: „Wir spielen in Blau, Gelb oder Rosa – 60 Minuten intensiver Handball. Der Rest ist Nebensache.“ Trotzdem: Die Bilder vom Sonnenspiel ohne Sonne werden die Archive füllen. Und irgendwann hängt das hellblaue Shirt mit der goldgelben Sonne im Fan-Shop – ein Stück Sportgeschichte, das mehr erzählt als jeder Sieg.
