Paganin schlägt ein: inter wirkt platt, der meister schläft noch
Antonio Paganin hat das, was 80.000 im Giuseppe-Meazza nur ahnungslos gestaunt haben, in Worte gepackt: Inter war im Derby eine falsche Note, ein Klavier, das sich selbst verstimmt hat. Der ehemalige Nerazzurro sprach bei TMW Radio von einer „leziosen“ Equipe, die dem Rivalen aus Mailand die Bühne überließ und dafür mit einer 1:2-Niederlage bezahlte.
Milan agierte wie contes schatten, inter wie ein team ohne biss
„Der Milan verkörpert seinen Trainer perfekt: wenig Show, maximaler Zynismus“, sagte Paganin. Die Rossoneri nahmen das Spiel, das Inter ihnen schenkte. Denn die Inzaghi-Elf wirkte, als hätte sie vergessen, wofür sie die ganze Saison stand: Hochpressing, vertikale Diagonalen, Überzahlsituationen im letzten Drittel. Statdessen liefen Lautaro und Thuram nur noch in Staffeln, Dumfries’ Flügelzüge enden im Abseits, Calhanoglu vertändelte Standards wie Nebenjobs.
Die zwei großen Chancen? „Kinderkopfball von Acerbi, Dzeko-Abstauber in der 88. – das war’s“, zählt Paganin auf. 0,8 xG stehen in den Statistiken, ein Witz für ein Team, das vor dem Derby 2,3 pro Partie schoss.

Champions-aus? nein, nur ein angriff, der auf der bank saß
Viele Experten orteten einen Euro-Kater nach dem Achtelfinal-Aus gegen Atletico. Paganin winkt ab: „Der Gegner hieß Milan, nicht Madrid.“ Für ihn liegt der Knick in der personellen Zaghaftigkeit. Inzaghi liess Thuram und Lautaro gleichzeitig ruhen, brachte Sanchez als falsche Neun. Die Spitze war entkernt, der Rhythmus dahin. „Vielleicht kannst du nicht beide Top-Stürmer draußen lassen, wenn du ein Derby gewinnen willst“, so der Ex-Profi.
Dabei hatte Inter die beste Ausgangslage: Sechs Punkte Vorsprung, ein Spiel weniger. Doch die Tabellenlage täuschte. „Die Mannschaft war leise, fast höflich“, sagt Paganin. Ein Satz, der in der Curva Nord für Zorn sorgt.
Meisterkampf vorbei? „inter muss zweimal schlafen, damit die serie sich dreht“
Die Frage, die Mailand seit Samstag beschäftigt: Ist das Meisterrennen wieder offen? Paganins Antwort kommt ohne Umweg: „Nein. Die großen Direktduelle hat Inter schon hinter sich, gegen die Kleinen ist es fast nie schlapp.“ Statistik bestätigt ihn: In dieser Saison kassierte die Inzaghi-Elf auswärts nur bei Lecce und Bologna einen Punktverlust – beides Teams aus dem unteren Tabellendrittel. Die restlichen Gegner bis Mai? Empoli, Udinese, Cagliari. Kurz: Wer Inter jetzt noch stoppt, muss entweder Wunder wirken oder auf ein kollektives Blackout hoffen.
Der Milan kann also noch jubeln, der Titel bleibt trotzdem schwarz-blau. „Inter muss zweimal tief schlafen und Juve muss fünfmal gewinnen“, lacht Paganin, „die Wahrscheinlichkeit ist Lotto-Niveau.“
Die Lehre des Tages: Selbst ein scheinbarer Klassiker kann ein Spiel der kleinen Fehler werden. Inter hatte die Tabelle, aber Milan nahm die Seele des Derbys. Und Paganin nahm kein Blatt vor den Mund – ein Ex-Profi, der weiß: In der Via Aldo Rossi spricht man nicht über Taktik, sondern über Charakter. Am Ende zählt, wer den Pulsschlag der Stadt besitzt. Gestern war das der Milan. Die Meisterschaft aber gehört weiterhin Inter – wenn sie nur aufwacht.
