Oyarzabal jagt die weltspitze: 24 tore, 53 einsätze – und kein bock auf show

Mikel Oyarzabal spielt keinen Fußball, er schreibt Geschichte. 24 Treffer in 53 Länderspiele, elf davon in den letzten zehn Partien, sechs Vorlagen obendrauf. Zahlen, die selbst Haaland und Mbappé blass werden lassen, wenn sie nicht gerade gegen Moldau elfmal auflaufen.

Villa-rekord steht in drei tagen zur disposition

Am Dienstag in Cornellà kann der Guipuzkoaner das einzige Kunststück ein zweites Mal vollbringen, das bisher nur David Villa gelungen ist: Tore in sechs Länderspielen nacheinander. Derzeit steht er bei fünf. Gegen Ägypten winkt die sechste Ampel. Und danach? Die 26 Treffer von Butragueño sind nur noch zwei Treffer entfernt. Der Buitre brauchte 69 Spiele. Oyarzabal kommt mit 53. Die Rechnung ist simpel: Er jagt Legenden, ohne je danach zu fragen.

Die Fußballwelt diskutiert über den nächsten Superstar, Spanien hat ihn längst. Nur nennt er sich Mikel, kommt aus Eibar und trägt das Trikot der Real Sociedad. Kein Instagram-Gehabe, keine Frisurenkünste, nur Zahlen und Siege. „Wenn Haaland und Mbappé eingebürgert würden, bliebe Mikel trotzdem Mittelstürmer“, sagt Luis de la Fuente – und meint damit, dass Oyarzabal nicht Teil des Problems ist, sondern der Lösung.

Die Lösung hat ein Gesicht, das aussieht, als würde es nach jed Tor lieber schnell zur Mitte laufen, als sich feiern zu lassen. Nach dem 3:0 gegen Serbien sprach er von „weiterarbeiten“, nicht von „Kanonen“. Das ist kein Marketing, das ist DNA. Denn Oyarzabal versteht Fußball als Handwerk, nicht als Rampenlicht. „Er könnte Trainer werden“, sagt de la Fuente. „Er versteht das Spiel besser als jeder andere auf dem Platz.“

Die verletzung, die ihn zur wm 2022 rauswarf, treibt ihn jetzt an

Die verletzung, die ihn zur wm 2022 rauswarf, treibt ihn jetzt an

Katar 2022 verpasste er wegen eines Kreuzbandrisses. Jetzt, 14 Monate später, ist er der erste Name auf der Liste für 2026. Die Knie sind heil, der Blick klar. „Ich spiele regelmäßig, deshalb kommen die Zahlen von alleine“, sagt er und schulterzuckt fast entschuldigend. Dabei ist er längst der Anti-Star, den Spanien braucht: Torgefährlich wie einst Villa, bescheiden wie ein Nachbar, der dir das Tor um 21:30 noch aufbaut.

Die Final-Four-Tickets gegen die Niederlande, die EM in Berlin, die Quali-Siege – alles läuft über ihn. Er traf oder legte in zehn Spielen am Stück mit. Die einzigen, in denen er nicht einnetzte, waren das 5:4 gegen Frankreich (zwei Assists) und das 6:0 gegen die Türkei (drei Assists). Statistiker suchen vergeblich nach einem besseren Wert in der Geschichte der Roja. Es gibt keinen.

Am Dienstag kommt Ägypten. Dann könnte er mit Villa gleichziehen. Danach heißt es Kroatien, Italien, Deutschland – alles Gegner, die ihn kennenlernen werden. Und danach? „Die WM ist das Ziel“, sagt er. Nicht mehr, nicht weniger. Kein Tamtam, kein Drama. Nur ein Typ, der trifft, läuft, gewinnt. Spanien hat endlich wieder einen Torjäger, der nicht nach dem Nächsten fragt, sondern nach dem nächsten Ball. Die Welt kann kommen. Oyarzabal ist schon da.