Overath: el mala – kölns juwel muss gehalten werden!
Siegburg – Wolfgang Overath, eine Legende des deutschen Fußballs und des 1. FC Köln, hat im exklusiven Sport1-Interview seine ungeteilte Meinung zu aktuellen Themen verkündet. Von den deutschen WM-Chancen bis hin zur überraschenden Nicht-Nominierung des Kölner Ausnahmetalents Said El Mala – Overath reißt kein Blatt vor den Mund und zeigt, warum er trotz seiner 82 Jahre zu den schärfsten Beobachtern des Fußballs gehört.
Die seele des deutschen fußballs: mehr als nur ergebnisse
Gibt es noch eine „Fußballseele“ in Deutschland? Overath nickt bestimmt. „Ja, die Deutschen sind fußballbegeistert. Und der deutsche Fußball hat noch seine Seele.“ Auch wenn Nackenschläge unvermeidlich sind – die Mentalität, die den deutschen Fußball auszeichnet, bleibt bestehen. Es ist diese unbändige Leidenschaft, die auch in schwierigen Zeiten nicht erlischt.
Vorwürfe verlorener Tugenden wie Leidenschaft und Wille weist Overath entschieden zurück. „Solche Phasen gibt es immer“, so der Weltmeister von 1974. „Aber international hat Deutschland nie den Anschluss verloren. Bei jedem Turnier hieß es: Die Deutschen gehören zu den Favoriten.“ Das zeuge von guter Spielerqualität und der richtigen Einstellung – beides, was auch heute gegeben ist.

Ein leben für den fußball: überwindung und opfer
Overath blickt zurück auf seine eigene Karriere, geprägt von Überwindung und Opferbereitschaft. Seine Kindheit in einer Familie mit acht Kindern, die finanzielle Not und den Verlust seines Bruders durch die Einziehung in die Sowjetarmee prägte, lehrte ihn den Wert von harter Arbeit und Entschlossenheit. Als junger Mann sah er sich mit dem Dilemma konfrontiert, seinen Traum vom Profifußballer gegen den Wunsch seines Vaters zu stellen, der ihm eine akademische Ausbildung ermöglicht hatte.
“Mein Vater hatte den Ersten und Zweiten Weltkrieg durchlebt. Für ihn war Bildung die einzige Sicherheit im Leben“, erinnert sich Overath. Doch als er ihm zeigte, was er mit dem Fußball aufgebaut hatte – Häuser, Sicherheit – kamen ihm die Tränen. “Das sind Momente, die man nie vergisst.” Diese Erfahrung hat Overath geprägt und ihm stets bewusst gemacht, wie wichtig Unabhängigkeit ist.

El mala: kölns juwel muss gehalten werden!
Die Nicht-Nominierung von Said El Mala für die WM beschäftigt Overath. Er hält das Talent für außergewöhnlich. “Er ist schnell, technisch stark, hat einen guten Körper und einen guten Schuss. Vor allem aber macht er Dinge, die andere Spieler nicht machen.” Gerade seine Fähigkeit, über weite Strecken mit dem Ball am Fuß unaufhaltsam nach vorne zu spielen und dabei stets die Torgefahr zu erkennen, sei beeindruckend.
„Wenn ich FC-Boss wäre, würde ich alles daransetzen, El Mala in Köln zu halten“, betont Overath. „Solche Spieler gibt es nicht oft. Die Angebote aus England werden nicht verschwinden, aber Köln sollte alles tun, um dieses Juwel zu binden. Denn eines ist klar: Das Potenzial von El Mala ist enorm, und er könnte entscheidend dazu beitragen, den 1. FC Köln wieder in die Erfolgsspur zu bringen.“
Die wm-chancen: selbstvertrauen ist der schlüssel
Was rechnet Overath der deutschen Nationalmannschaft bei der WM tatsächlich zu? „Deutschland hat die Qualität, Weltmeister zu werden“, sagt er überzeugt. Entscheidend sei jedoch das Selbstvertrauen. Er erinnert an seine eigene Zeit vor der WM 1974, als er selbst mit einem tiefenpsychologischen Tief zu kämpfen hatte. Doch durch die Unterstützung des Trainers und die Fokussierung auf das Ziel gelang es ihm, die entscheidenden Zweifel zu überwinden. „Wenn ein Spieler auf den Platz geht und denkt: ‚Ich kann das. Ich will das. Ich schaffe das‘, dann macht das einen riesigen Unterschied.“
Die Ära Julian Nagelsmann wird auf die Probe gestellt. Doch Overath vertraut darauf, dass der Bundestrainer das Team in die richtige Richtung lenken kann. „Jeder Trainer wird am Erfolg gemessen“, so Overath. „Aber ich glaube, dass Nagelsmann einen sehr guten Zugang zu jungen Spielern hat.“
Die deutsche Nationalmannschaft steht vor einer großen Herausforderung. Doch mit der richtigen Einstellung, dem nötigen Selbstvertrauen und dem unbedingten Willen zum Sieg kann sie auch 2026 wieder ein Wörtchen um den Titel mitreden. Und vielleicht wird Said El Mala dann doch noch dabei sein – als Beweis dafür, dass Talent und Leidenschaft immer belohnt werden.
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