O’sullivan zieht sich zurück – und bleibt trotzdem: magdeburgs mythos wird co-trainer

Er kam, sah und siegte – jetzt wird er einfach nur stehenbleiben. Christian O’Sullivan wird den SC Magdeburg im Sommer als Spieler verlassen, aber seine Stimme wird weiter durch die Halle gellen. Trainer Bennet Wiegert hat die Nachricht bereits eingestreut: Der Norweger soll direkt auf der Bank weiterhelfen.

Ein jahrzehnt voller titel in zahlen

Seit 2016 trägt O’Sullivan das Blau-Weiß, seit 2018 das Kapitänsarmband. In diesen acht Jahren schraubte er die Erfolgsstatistik des Vereins auf ein Niveau, das selbst Traditionsclubs neidisch macht: zwei deutsche Meisterschaften, zwei Champions-League-Pokale, ein DHB-Pokal – dazu steht der SCM aktuell wieder auf Meisterkurs und im CL-Halbfinale. Die Quote: 17 Titelentscheidungen, 15 gewonnen, wenn der 34-Jährige aufläuft. Kein Wunder, dass selbst gegnerische Fans ihn mittlerweise als „Mr. Magdeburg“ bezeichnen.

Doch hinter den Kulissen läuft schon länger der Countdown. O’Sullivan absolviert heimlich die Trainer-Lizenz Pro, sitzt in Videoanalysen oft neben Wiegert und gibt während Timeouts Anweisungen, während andere Spieler noch Wasser schlucken. „Er denkt wie ein Coach, spricht wie ein Coach – warum soll er nicht auch einer werden?“, sagt Wiegert im SPORTBILD-Interview. Der 44-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er den Norweger direkt in sein Stabsteam holen will: „Christian hat die Gabe, komplexe Taktik in drei Sätzen zu erklären. Das kann man nicht lernen, das muss man mitbringen.“

Warum magdeburg auf diesen schnitt setzt

Warum magdeburg auf diesen schnitt setzt

Der Plan ist größer als ein einfacher Co-Trainer-Job. Yves Grafenhorst, seit 2017 Wiegerts rechte Hand, soll künftig stärker die Jugendkoordination übernehmen. Die Lücke auf der Bank könnte O’Sullivan füllen – und gleichzeitig die interne Führungssäule erhalten. „Wir bauen keine neue Ära, wir verlängern die aktuelle“, sagt Sportdirektor Markus Bitterlich. Der Verein spart sich damit teure externe Lösungen und bindet das Gesicht der erfolgreichsten Dekade langfristig.

Für O’Sullivan selbst ist der Schritt konsequent. „Ich will nicht einfach weggehen und später mal wieder anrufen. Ich will dabei bleiben, wo mein Herz schlägt“, sagte er nach dem 34:27 gegen Kiel. Die Entscheidung ist längst gereift – nur der genaue Zeitpunkt fehlt noch. Offiziell will der Klub erst nach dem Pokal-Finale4 im April verkünden, ob der Norweger direkt durchstartet oder ein Jahr „Schnupper-Praktikum“ absolviert.

Die Fans jedenfalls sind bereit. Im letzten Heimspiel skandierte die Nordkurve bereits: „O’Sullivan bleibt, nur die Frisur wechselt!“ Die Antwort kam per Handzeichen – Daumen hoch, Kapitän lächelnd. Ein Abschied ohne Abschied. Magdeburg verliert einen Spieler, gewinnt aber eine Instanz. Und die Liga? Die bekommt womöglich den ersten Superstar-Trainer, der schon als Spieler Legendenstatus hatte. Der Mythos lebt – nur mit Anzug statt Trikot.