O’sullivan taumelt nach yushan – kann der rocket noch einmal zünden?
Die World Open beginnt am Sonntag, und mit ihr die nächste Feuerprobe für Ronnie O’Sullivan. Der Rekordweltmeister meldet sich in Yushan zurück – doch statt Jubel herrscht Ratlosigkeit. Sechs Monate, drei Viertelfinals, ein spektakuläres Halbfinale in Riad: das war’s. Die Saison wirkt wie ein Abriss, nicht wie ein Bau.
Match-praxis sieht anders aus
Der Mann, der einst ganze Turniere im Schlaf gewann, scheiterte zuletzt in der zweiten Runde von Hongkong, schmiss die Players Championship komplett aus dem Kalender und brauchte nach dem 6-5-Finaleinbruch gegen Neil Robertson eine Pause, die sich wie Eiszeit anfühlt. Die Folge: Er spielt sich warm, wenn andere schon schwitzen. Das reicht gegen Chris Wakelin mit zwei 147ern, reicht aber nicht gegen die Konstanz von Judd Trump oder Kyren Wilson.
Die Frage ist nicht, ob O’Sullivan noch kann – das kann er. Die Frage ist, ob er sich selbst noch zutraut, eine komplette Woche durchzuhalten. Yushan ist kein Schaulaufen, sondern ein Ranking-Event mit 128 Köpfen und keiner Gnade. Wer hier früh fliegt, fliegt weit runter. Für den Rocket bedeutet das: Er muss spielen, um nicht zu vergessen, wie man spielt.
Die wst schaut zum teufel
Während Fans und Kommentatoren über O’Sullivans Planlosigkeit rätseln, schweigt die Tour. Keine Pressekonferenz, kein Statement, keine Erklärung, warum der größte Name der Sportart Turniere wie Flyer in den Wind wirft. Stattdessen wird Zhao Xintong in China als „möglicher neuer Global Star“ gepusht, während der tatsächliche Global Star selbst entscheidet, wann er Lust hat. Das Dilemma: Die Tour braucht O’Sullivan mehr als er die Tour. Und er weiß es.
Die Konsequenz ist ein Stillstand, der alle Seiten lahmlegt. Die Veranstalter verkaufen Tickets mit seinem Bild, obwohl sie nicht wissen, ob er kommt. Die Gegner bereiten sich auf ihn vor, obwohl sie nicht wissen, ob sie ihn treffen. Und O’Sullivan bereitet sich auf nichts vor, außer auf sich selbst.
Der achte weltmeistertitel ist kein mythos
In Sheffield will er im April wieder angreifen – das hat er Freunden gegenüber durchblicken lassen. Es klingt wie ein letzter Zapfenstreich. Acht Titel würden alle Rekorde pulverisieren, auch den, den er selbst aufgestellt hat. Aber dafür muss er erst einmal in Yushan überleben, sonst droht ein verspäteter Crucible-Start gegen qualifizierte Gegner, die seit Monasdh Jahren keine Pause mehr hatten.
Die Klasse ist noch da, keine Frage. Die Frage ist nur, ob sie noch reicht, wenn Körper und Kopf nicht mehr simultan mitspielen. Am Sonntag, 16. März, 10:00 Uhr Ortszeit, wird O’Sullivan auflaufen – und dann wird sich in zwei Sessions zeigen, ob er nur noch eine Legende ist oder wieder ein Kandidat. Die Uhr tickt. Die Welt schaut zu. Und der Rocket? Der hat noch einen Treibstofftank – aber keinen zweiten.
